Neuss: Caritas übernimmt die Verantwortung für herrenlose Fahrräder

Fundsachen-Versteigerung wird überflüssig : Caritas entsorgt Schrott-Räder

Stadt und AWL geben Zuständigkeit für alte Drahtesel ab. In der Radstation sollen sie aufgearbeitet werden.

Die Caritas-Sozialdienste werden ein Premium-Partner der Stadt in Sachen Fahrrad – und die Radstation am Hauptbahnhof zu ihrem Kompetenzzentrum. Denn der Rat hat am Freitag nicht nur den Betreibervertrag für die Radstation entfristet und für ein neues Konzept mit zusätzlichen Öffnungszeiten den jährlichen Zuschuss aufgestockt. Nein, die Politik überträgt der Caritas auch die Zuständigkeit für die Entfernung und Verwertung von Schrott- beziehungsweise gefundenen Fahrrädern.

Das städtische Ordnungsamt hat mit der „Fundsache Rad“ nach Darstellung von Peter Fischer, dem Leiter der Pressestelle im Rathaus, „künftig nichts mehr zu tun.“ Das wird sich auch auf die regelmäßigen Versteigerungstermine des Ordnungsamtes auswirken. Bei den Fundsachen, die dabei in der Rathauspassage unter den Hammer kamen, waren Räder bislang die größte „Warengruppe“. Über den Daumen gepeilt wurden so jährlich 3000 Euro eingenommen. Dem standen aber etwa 450 Euro an Personalkosten für die Verwaltung und die Versteigerung dieser Fundsachen gegenüber.

Jedes Jahr werden 100 herrenlose Fahrräder aufgefunden

Rund 100 Räder werden nach Angaben der Verwaltung jedes Jahr zur Fundsache, weitere 150 gelten als Schrotträder, die von der Abfall- und Wertstofflogistik (AWL) entsorgt werden. Sie werden aus Gewässern wie Obererft oder dem Hafenbecken geangelt oder – nachdem sie zum Beispiel am Hauptbahnhof monatelang vor sich hingegammelt haben – auf Anordnung des Bürger. und Ordnungsamtes entsorgt.

Das bleibt auch künftig für die Anordnung dieses behördlichen Eingriffs zuständig. Für alles weitere soll künftig die Caritas gerade stehen. Sie soll Fundräder, die bei der Stadt abgegeben werden, von dieser übernehmen und ein halbes Jahr lang verwahren. So lang ist die Frist, in der auf etwaige Besitzer gewartet wird, die Eigentumsrechte geltend machen. Und sie soll die von der Stadt identifizierten Schrotträder einziehen. Details dazu müssen noch verhandelt und vertraglich festgehalten werden.

Caritas erhält das Recht,
die Räder zu verwerten

Mit dieser Pflicht geht aber auch das Recht auf die Caritas über, die Räder zu verwerten. Und das ist der Punkt, warum Dirk Jünger, Geschäftsführer der Caritas-Sozialdienste, regelrecht erpicht darauf ist, dass es zu diesem Vertrag kommt. Denn in der Werkstatt der Radstation werden auch Langzeitarbeitslose geschult und auf den erhofften Wiedereinstieg in eine geregelt Beschäftigung vorbereitet. „Zuletzt standen wir vor dem Problem, dass wir immer weniger Spendenfahrräder erhalten“, sagt Jünger. Das Modell „Aus Vier mach eins“, bei dem am Ende ein verkehrstüchtiges Fahrrad herauskommt, das man zum Beispiel verleihen kann, funktioniere deshalb nicht mehr so gut. Fund- und Schrotträder bleiben so im schlechtesten Fall noch immer Einzelteil-Lieferanten. Und was danach übrig bleibt, müsse eben über den Entsorger als Schrott abgegeben werden, mit dem Radstation schon zusammenarbeitet, sagt Jünger.

Ein Lagerort für die Fundräder muss noch gefunden werden

Offen ist noch, an welcher Stelle die Caritas die als Fundsache abgegebenen Räder in der vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist lagert. Eine Lösung könnte sich aber aus der beabsichtigten Erweiterung ergeben. Denn das neue Konzept für die nun dauerhaft gesicherte Station sieht auch eine Erweiterung vor – unter Umständen in Form einer Dependance auf dem Gelände der ehemaligen Schraubenfabrik.

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