Neuss: Beerdigung ohne Abschied am Grab

Neuss: Beerdigung ohne Abschied am Grab

Mehr als 100 Verstorbene im Jahr waren ganz allein. Generell nimmt die Zahl der Urnenbestattungen weiter zu.

Neuss. Trauriger kann ein Abschied nicht ausfallen. Etwa 110 Menschen werden in der Stadt pro Jahr beerdigt, ohne dass ein Angehöriger am Grab Abschied nimmt. Diese Art der Beerdigung wird als Ordnungsamtsbestattung bezeichnet, weil das Amt das Begräbnis organisiert. Für die Kosten muss die Stadt aufkommen, sofern kein anderer aus dem Umfeld des Verstorbenen in Frage kommt.

"In den letzten Jahren haben die Ordnungsamtsbestattungen leicht zugenommen", sagt Stephan Schmitt von der städtischen Friedhofsverwaltung. Bei rund der Hälfte dieser Verstorbenen handele es sich um Menschen, die vor ihrem Tod Arbeitslosengeld II bezogen haben. Zusätzlich musste die Stadt im letzten Jahr die Kosten von 31 Beerdigungen übernehmen, weil Angehörigen die Mittel nicht selbst aufbringen konnten.

Schmitt sieht in der Zunahme der Ordnungsamtsbestattungen ein Auseinanderbrechen sozialer Strukturen: "Früher haben sich Nachbarn oder Bekannte gefunden, die in diesen Fällen eingesprungen sind. Das gibt es heute fast nicht mehr."

Insgesamt ist die Zahl der Beerdigungen in diesem Jahr rückläufig: Bis Ende Oktober wurden 1053 Menschen im Stadtgebiet beerdigt, rund 60 Personen weniger als im gleichen Zeitraum des Jahres 2008. Für das gesamte Jahr rechnet die Friedhofsverwaltung mit einem Rückgang von etwa fünf Prozent.

Auf das Jahresergebnis des Bereichs Bestattungswesen hat der erwartete Rückgang laut Hans-Joachim Schrödter von der Friedhofsverwaltung jedoch keinen Einfluss, weil fällige Kompostierungsarbeiten, Gehölzschnitte oder die Neubesetzung von freien Stellen ins nächste Jahr geschoben werden könnten. Die Gebühren blieben konstant.

Die Zahl der Urnenbestattungen nimmtweiter zu. 39 Prozent aller Beerdigungen in Neuss sind jetzt Urnenbegräbnisse. 2007 lag der Anteil noch bei 33,5 Prozent. Den Vorschlag zum Bau eines städtischen Krematoriums weist Schrödter jedoch zurück: "Das wäre wirtschaftlich völlig unrentabel, weil wir in Konkurrenz zu Krematorien in Düsseldorf, Krefeld oder Venlo treten müssten."