Neuss: An St. Quirin werden letzte Kriegsschäden beseitigt

Baugerüste an der Quirinus-Basilika in Neuss : Das Münster erhält ein neues Dach

Bei der Sanierung der Kriegsschäden von 1988 bis 2006 gab es Versäumnisse, die jetzt nachgeholt werden. Betroffen sind drei Apsiden.

Am Quirinus-Münster stehen wieder Baugerüste. Denn fast auf den Tag genau 75 Jahre nach dem Bombenangriff vom 5. Januar 1944 müssen noch einmal Kriegsschäden ausgebessert werden. Betroffen sind davon die Dächer der drei Apsiden unterhalb der Kuppel mit dem Standbild des Stadtpatrons, die neu eingedeckt werden müssen.

Von 1988 bis 2006 ist die älteste Kirche der Stadt grundsaniert worden. Schlusspunkt sollte die Neueindeckung der Kuppel mit 600 Quadratmetern Kupferblech im Herbst 2005 sein, doch musste das Projekt noch in die Verlängerung, als sich herausstellte, dass die 3,60 Meter große Quirinus-Figur auf die „Schönheitsfarm“ gehört: Die Trägerkonstruktion der 1742 fertiggestellten Skulptur musste dringend erneuert werden. Die Dächer der drei Apsiden wurden aber nicht erneuert. Bis jetzt.

Anlass für die Sanierung gaben Untersuchungen nach Sturm „Ela“

Auslöser für die erneute Bautätigkeit war der Pfingststurm „Ela“ im Jahr 2014. Er ließ große Äste von den Robinien an der Kirche auf das Sakristeidach und die nördliche Konche krachen, eine halbrunde Ausbuchtung zum Abschluss des Querschiffes. Dabei wurde das Kupferdach beschädigt, sagt Monsignore Guido Assmann. „Zum Glück war das Dach nicht undicht geworden, sonst hätte es einer Sofortmaßnahme bedurft“, erklärt der Oberpfarrer.

Die Gemeinde nahm den Schaden zum Anlass, um – in Abstimmung mit dem Kölner Generalvikariat – alle drei Konchen an Quer- und Langschiff untersuchen zu lassen. Dabei stellten die beauftragte Fachfirma und der Architekt der Gemeinde fest, dass die drei Dächer der Apsiden bei der Kirchensanierung ausgespart geblieben waren. „Unter den Kupferdächern sind Holzschalungen, die Schäden aufweisen“, sagt Assmann. Denn nach dem Bombardement im Jahr 1944, bei dem die größte Wunde in die Ost- oder auch Hauptkonche geschlagen wurde, wurden die Dächer zwar neu aufgebaut, aber mit mangelhaftem Material. Die Folgen davon zeigen sich jetzt.

Handwerker sind beschäftigt,
das Kupferdach abzutragen

Die Gemeinde beschloss daher, alle drei Apsiden zu sanieren, aus dem Sturmschaden eine Gesamtmaßnahme zu machen. Damit wurde bereits begonnen. Ein über 20 Meter hohes Gerüst wurde an der nördlichen Apsis aufgestellt, wo seit Mittwoch Miroslav Luedelik und Lukas Istvanek, zwei Handwerker aus Tschechien, dabei sind, die Kupferhaut abzutragen.

„Bei der Ausschreibung war es nicht leicht, geeignete Fachfirmen zu finden, die solche historischen Dächer decken können“, sagt Assmann. Das aber sei schon nicht mehr ihre Sache, ergänzt Luedelik: „Das macht eine deutsche Firma.“ Nach der Auftragsvergabe tauchte ein Problem auf. Jenes Kupfer, das in einem künstlichen Prozess dazu gebracht werden kann, schnell den typischen Grünspan anzusetzen, war nicht lieferbar.

Insgesamt sind die Kosten für diese Arbeiten auf 200 000 Euro veranschlagt. Den reinen Sturmschaden zahlt die Versicherung, den Rest teilen sich das Erzbistum (70 Prozent) und die Kirchengemeinde. „Der Kirchenvorstand ist sich der Verantwortung bewusst, das Münster nachfolgenden Generationen zu erhalten“, sagt Assmann.

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