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Neuer Pokalmodus steht in der Kritik

Neuer Pokalmodus steht in der Kritik

Rhein-Kreis. Der TV Korschenbroich gibt sich alle Mühe. In fast rührender Weise mit gut einem halben Dutzend Pressemitteilungen wirbt der Handball-Drittligist für sein „Spiel des Jahres“. Dumm nur, dass die heutige Partie gegen den Titelverteidiger und letztjährigen Champions-League-Sieger SG Flensburg-Handewitt bestenfalls 100 TVK-Fans sehen werden, denen die 180 Kilometer bis Emsdetten nicht zu weit sind.

Schuld daran ist die Reformwut der Funktionäre aus Handball-Bundesliga (HBL) und Deutschem Handball-Bund (DHB). Die haben in einer Arbeitsgruppe dem guten alten DHB-Pokal einen neuen Modus verpasst. Die unterklassigen Teams genießen nun in Runde eins nicht mehr Heimrecht, das ihnen — wie einst dem TVK — hin und wieder ein Traumlos wie den THW Kiel oder die SG Flensburg-Handewitt bescherte.

Stattdessen wird der Auftakt in 16 Vierer-Turnieren ausgetragen, deren Gastgeber meist Zweitligisten sind. „Mir tun die Drittligisten leid. Das waren für die doch immer tolle Spiele, wenn die einen Erstligisten zu Hause hatten“, sagt Dormagens Trainer Jörg Bohrmann. Er selbst sieht die Pokalrunde als „finale Vorbereitungsspiele eine Woche vor dem Saisonstart“ an. Der TSV Bayer muss in Nußloch (bei Heidelberg) gegen Drittligist TV Kirchzell antreten (heute 17 Uhr) und trifft im Erfolgsfall morgen (15 Uhr) auf den Sieger aus der Partie SG Nußloch (3. Liga Süd) gegen Erstligist HBW Balingen-Weilstetten. „Das Spiel wollen wir schon erreichen“, sagt Bohrmann. Deshalb haben die Dormagener für Samstagnacht ein Hotel in Nußloch gebucht: „Fliegen wir ’raus, bleiben wir auf den Stornokosten sitzen“, sagt Geschäftsführer Björn Barthel. Der TV Korschenbroich hat da mehr Planungssicherheit. Die Wahrscheinlichkeit, dass er am Sonntag (15 Uhr) das „Endspiel“ gegen den Sieger aus der Partie TV Emsdetten gegen HF Springe (Samstag 15.30 Uhr) erreicht, dürfte eher gering sein. „Wir spielen gegen eine absolute Weltklassetruppe“, sagt Trainer Ronny Rogawska über den Gegner, der sich unter anderem mit Kentin Mahé verstärkte. Der in Dormagen aufgewachsene französische Weltmeister wechselte trotz laufenden Vertrages ebenso wie Petar Djordjic und Henrik Toft Hansen vom HSV Hamburg an die Förde.

Ein Flensburger Gastspiel hätte dem TVK Hunderte Fans beschert, womöglich hätte sich sogar wie einst gegen Kiel ein Umzug in die Krefelder Glockenspitzhalle gelohnt. Jetzt darf der TVK heute um 18.30 Uhr in einer wahrscheinlich gähnend leeren Emshalle antreten, denn welcher Emsdettener schaut sich anderthalb Stunden nach der Partie seiner „eigenen“ Mannschaft den Vergleich zwischen einem im Emsland vollkommen unbekannten Drittligisten und dem Pokalsieger an? Immerhin kostet eine Tageskarte 15 Euro, wer alle drei Spiele sehen möchte, ist mit 22 Euro dabei.

Überraschungen — sonst immer das Salz in der Pokalsuppe — dürften im neuen Modus eher selten werden. TVK-Coach Rogawska sagt: „Im Vorjahr konnten wir Hannover-Burgdorf in eigener Halle lange ärgern, doch die Situation ist jetzt ganz anders. Da spielen wir auswärts.“