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Gewalt in Neuss

Junge Frau wird am Neusser Hauptbahnhof ins Gesicht getreten - Nicht der erste Vorfall dieser Art

Am Theodor-Heuss-Platz kam es in der Nacht zu Sonntag zu der Attacke. FOTO: Woitschuetzke,Andreas (woi)

Neuss Eine 22-Jährige wurde am Neusser Hauptbahnhof von einem Mann ins Gesicht getreten und geschlagen. Die Polizei nahm einen Verdächtigen in Gewahrsam. Der Fall erinnerte an eine Attacke vor einem Jahr.

Nur bruchstückhaft erinnert sich die junge Frau an die Ereignisse. Doch was als munterer Bowling-Ausflug begann, endete mit einer Verletzung und einem Schock. Es ist 1.10 Uhr am vergangenen Samstag. Mit fünf Freunden kommt die 22 Jahre alte Neusserin, die namentlich nicht genannt werden möchte, gerade mit der letzten S-Bahn aus Düsseldorf. Am Theodor-Heuss-Platz steigen sie und ihre Freunde aus. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei kommt kurz darauf es zu einer Auseinandersetzung mit einer anderen Gruppe. Der Auslöser für den Streit konnte noch nicht ermittelt werden. Allerdings kommt es zu einem Übergriff, der in seiner Brutalität schockiert: Die Neusserin wird von einem Mann ins Gesicht getreten. Anschließend wird sie noch mit Fäusten traktiert. Die Frau erleidet eine Verletzung am Auge und wird wenig später mit einem Rettungswagen in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht.

„Ich bin schockiert“, sagt die Mutter der jungen Frau. Das Positive: Die Polizei war schnell vor Ort und konnte den Verdächtigen – und weitere Personen, die in den Streit offenbar involviert waren – festnehmen. „Es wurde eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gestellt“, sagt Polizeisprecherin Daniela Dässel am Dienstag. Der 25 Jahre alte Tatverdächtige sei mittlerweile – wie die anderen kurzzeitig in Gewahrsam genommenen Personen – wieder auf freiem Fuß. „Beide Gruppen beschuldigen sich derzeit gegenseitig“, sagt Daniela Dässel. Die Ermittlungen in dem Fall dauern an. Teilweise sei eine „erhebliche Alkoholisierung“ bei manchen Beteiligten festgestellt worden.

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Ebenso erschreckend: Die Mutter des Opfers berichtet, dass ein Außenstehender, der weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe gehörte, dabei beobachtet wurde, wie er die Tat filmt. Ihrer Tochter sei von dem Täter zudem das Handy aus der Hand geschlagen und zerstört worden. Anfangs habe bei der jungen Frau sogar der Verdacht auf eine Hirnblutung im Raum gestanden. Immer wieder kommt es am Neusser Hauptbahnhof zu Gewalt-Attacken.

Vor einem Jahr gab es einen ähnlich Vorfall

Der aktuelle Fall erinnert an eine Tat, die sich Ende vergangenen Jahres zugetragen hatte. Damals kam ein 19-Jähriger mit seiner Freundin (18) ebenfalls mit der S-Bahn aus Richtung Düsseldorf – sie besuchten dort den Weihnachtsmarkt – und stieg gegen Mitternacht am Theodor-Heuss-Platz in Neuss aus. Wie seine Mutter berichtete, bekam ihr Sohn plötzlich einen oder mehrere Schläge (er konnte sich aufgrund eines „Filmrisses“ nicht mehr erinnern) gegen den Kopf. Die schockierende Diagnose, die später im Lukaskrankenhaus gestellt wurde: Nasenbeinbruch, Jochbeinbruch, Bruch der unteren Augenhöhle und ein gebrochenes Kieferhöhlendach. Auch ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma erlitt der junge Mann. Der Täter konnte damals nur äußerst vage beschrieben werden: Er soll zwischen 20 und 35 Jahre alt sein.

Doch auch Polizisten sind vor tätlichen Angriffen nicht gefeit. So war Mitte Mai dieses Jahres eine Polizistin im Rahmen eines eigentlichen Hilfseinsatzes an der Fahrradstation am Neusser Hauptbahnhof von einer „hilflosen Person“ verletzt worden. Zuvor hatte der 20-Jährige, der augenscheinlich unter Drogen- und Alkoholeinfluss stand, den Rettungsassistenten Schläge angedroht. Nur mit Mühe konnte der Mann von den Beamten damals unter Kontrolle gebracht
werden.