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Nachruf auf Martin Kluth: Neuss-Weckhoven verliert seinen Ortschronisten

Nachruf : Neuss-Weckhoven verliert mit Martin Kluth seinen Ortschronisten

Martin Kluth ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Er war ein Kenner der Geschichte des Ortes, den er durch sein breites Engagement mit prägte.

Was es über Weckhoven zu wissen gibt, Martin Kluth wusste es. Ja, er hat als Ortshistoriker über Jahrzehnte daran gearbeitet, dieses Wissen zu mehren und es zu verbreiten. Am Freitag ist Martin Kluth im Alter von 86 Jahren gestorben.

Viel von seinem Wissen aber bleibt, denn der rührige Forscher hat beizeiten seinen Nachlass geregelt. Das von ihm seit 1969 aufgebaute Dorf- und Heimatarchiv gab er in die Obhut des Stadtarchivs, wo es als „Sammlung Kluth“ einen eigenen Bestand bildet. Und was er über den Weckhovener Schützenverein zusammengetragen hat – nach eigenen Angaben fast eine Viertelmillion Bilder und Berichte –, wird im Joseph-Lange-Archiv des Rheinischen Schützenmuseums gehütet.

Kluth war aber nicht nur Forscher, sondern auch Förderer seines Heimatortes, der, als er am 13. Februar 1935 geboren wurde, nur acht Straßen rund um die Josephskirche zählte und erst wenige Jahre zuvor nach Neuss eingemeindet worden war. Kaum jemand bewegte im und für den Stadtteil mehr als Kluth, sei es im Schützenverein, dessen Vorstand er seit 1968 in verschiedenen Funktion ununterbrochen abgehörte, oder im Heimatverein, den er 1996 mit Gleichgesinnten gründete. Und auch im Ballsportverein Weckhoven (BVW) wirkte Kluth mit – als Sportler wie als Funktionär. Als Torwart hielt er 20 von 23 gegen ihn verhängte Elfmeter – weil er den Schützen vorher einen Witz erzählt hatte.

Martin Kluth war ein Mann mit vielen Talenten. Er war gesellig und initiierte so die Gründung etlicher Schützenzüge. Er war vermittelnd und half, die Wogen zu glätten, als 2014 die Korpsführer mit dem Schützenpräsidenten in Streit gerieten. Kluth konnte zum Mitmachen begeistern, was nicht zuletzt im Advent zu sehen ist, wenn die von ihm lange geleitete Beleuchtungsgruppe den Ort illuminiert. Er verhandelte so gewinnend, so dass ihm viele Weckhovener Familien für das Dorfarchiv auch im Original überließen, was ihm wichtig schien. Er war ein humorvoller Erzähler, wovon nicht zuletzt Besucher seiner Mundartabende oder Teilnehmer von Exkursionen durch den Ort zu berichten wussten. Und als Chronist bewies er ein gutes Auge, wenn er mit der Kamera unterwegs war.

Martin Kluth wurde oft geehrt. Alleine zweimal wurde er als Ehrenbürger Weckhovens ausgezeichnet, und schon zu Lebzeiten benannte man einen Weg an der Ruine der Kyburg in Martin-Kluth-Allee um.