Möbelhaus-Krimi: Kurt Krieger sticht Schaffrath aus

Möbelhaus-Krimi: Kurt Krieger sticht Schaffrath aus

Stadtrat entscheidet sich in nicht öffentlicher Sitzung für den Höchstbietenden.

Neuss. Sie kämpften mit harten Bandagen, jetzt ist der Möbelhaus-Krimi beendet: In nicht-öffentlicher Sitzung hat der Stadtrat am Freitag nach mehr als zweistündiger Beratung entschieden, mit dem Berliner Unternehmer Kurt Krieger und damit seiner Firma Möbel Höffner einen Kaufvertrag über das Möbelhausgrundstück abzuschließen — verbunden mit der Option, weitere Grundstücke im Hammfeld II zu entwickeln. Die Entscheidung fiel mit 34:24-Stimmen. CDU und FDP hatten sich bereits im Vorfeld für Kriegers Modell ausgesprochen.

Ausschlaggebend für den Zuschlag war offenbar das Angebot, das Krieger vor zwei Wochen überraschend präsentiert hatte: Er werde nicht nur die Fläche für das Möbelhaus am Willy-Brandt-Ring kaufen, sondern das gesamte Areal des Hammfelds II bis auf Kirmesplatz und TÜV-Gelände. Zudem werde er die Flächen in den kommenden fünf Jahren auch selbst entwickeln. Damit hat Krieger einen Coup gelandet, und die verbliebenen Konkurrenten Segmüller und Schaffrath im Rennen um den Standort im Eiltempo erst einmal abgehängt.

„Ich fühle mich wie eine umworbene Tochter“, hatte Bürgermeister Herbert Napp noch am Vorabend der Ratssitzung beim Neusser Treff in kleiner Runde scherzhaft geäußert. Nach der Entscheidung sagte er deutlich: „Das ist eine gute Entwicklung für das Hammfeld. Das Areal lag wie Blei im Grundstücksportfolio der Stadt. Ich bin mir sicher, dass wir es jetzt gemeinsam schnell entwickeln können. Herr Krieger ist ein fairer und potenter Investor und in Neuss herzlich willkommen.“

Napp hatte zur Wochenmitte in einem offenen Bieterverfahren eine Frist gesetzt: Nach Krieger sollten auch Segmüller und Schaffrath bis am Freitag, 14 Uhr, ihre letzten Angebote im Rathaus abgeben. Während Schaffrath dies tat (deutlich niedriger als Krieger), konnte Segmüller in der kurzen Zeit kein neues Angebot einreichen.

Falls die Planungen mit Krieger sich doch noch zerschlagen, könnte Schaffrath wieder im Rennen sein. Segmüller nicht, weil das Unternehmen den letzten Schritt nicht mitgegangen war. Ein Antrag, die Firma trotzdem für diesen Fall im Rennen zu halten, wurde in geheimer Abstimmung am Freitag abgelehnt.

SPD-Fraktionschef Reiner Breuer hatte schon vor der Sitzung scharf kritisiert, dass es „hochgradig unseriös“ sei, von den Interessenten in Tagesfrist verbindliche Erklärungen für millionenschwere Grundstücksgeschäfte zu verlangen. „Ein faires Verfahren sieht anders aus.“ Am Abend formulierte er noch schärfer: „Man gewinnt zunehmend den Eindruck, dass Politik in Neuss käuflich ist. Dass sich die Stadt in die Hände eines Investors begibt, ist bedauerlich.“

Die Grünen hatten zuvor versucht, das Thema zurückzustellen. Sie forderten, die Verwaltung möge ein Gutachten in Auftrag geben, dass die Auswirkung der möglichen Ansiedlung eines Möbelhauses und weiterer Einzelhandelsbetriebe im Hammfeld II Ost auf den Einzelhandel in der Innenstadt bewertet. Der Antrag wurde abgelehnt.