Mit Medicare trotz Behinderung aktiv sein

Mit Medicare trotz Behinderung aktiv sein

Seit Januar ist ein neues Unternehmen für den Fahrdienst im Rhein-Kreis zuständig.

Rhein-Kreis Neuss. Für nicht-behinderte Menschen ist es etwas Alltägliches: Freunde besuchen, einkaufen, mal eben durch die Stadt bummeln. Menschen mit einer schweren Behinderung stellen solche Unternehmungen vor ein großes logistisches Problem. Genau an dieser Stelle kommen Fahrdienste ins Spiel. Sie holen die behinderten Menschen zu Hause ab, bringen sie an den gewünschten Zielort und fahren sie anschließend wieder nach Hause. Im Rhein-Kreis Neuss gibt es seit Anfang Januar einen neuen Anbieter mit Namen Medicare.

„Wir hatten schon einige Kunden und die haben sich sehr über unsere neuen Wagen gefreut“, sagt Rainer Stoffels, Niederlassungleiter von Medicare in Neuss. Die Firma verfügt über vier Filialen in NRW und bietet hauptsächlich Krankenfahrten an. Im November 2010 eröffneten sie eine Niederlassung in Neuss mit 15 Mitarbeitern. Jetzt haben sie für fünf Jahre den Auftrag des Kreises erhalten, die Behindertenfahrten zu übernehmen.

Seit 1999 gibt es diese Möglichkeit im Rhein-Kreis. Bisher wurden durchschnittlich rund 3200 Fahrten im Jahr gemacht. Zunächst war das Deutsche Rote Kreuz (DRK) dafür zuständig, 2003 übernahm eine Privatfirma diese Aufgabe. 2010 meldete sie jedoch Insolvenz an. Bis zum Abschluss der neuen europaweiten Ausschreibung organisierte danach das DRK erneut übergangsweise die Behindertenfahrten.

Seit wenigen Tagen ist nun Medicare dafür zuständig. Um möglichst vielen Kunden gerecht zu werden, hat das Unternehmen zusätzlich drei neue Fahrzeuge angeschafft. Insgesamt stehen vier Wagen zur Verfügung. Alle sind klimatisiert und mit moderner Technik ausgestattet. „Wichtig ist, dass sich unsere Kunden wohl fühlen“, sagt Stoffels.

Außergewöhnlich gehbehinderte oder blinde Menschen mit Wohnsitz im Rhein-Kreis und einem Schwerbehindertenausweis sind berechtigt, den Behindertenfahrdienst zu nutzen. Davon gibt es momentan 850 im Kreis, wovon aber nur rund 300 Menschen den Service regelmäßig nutzen. Gefahren wird innerhalb des Kreises und 15 Kilometer darüber hinaus. „Viele besuchen Freunde und Familie oder möchten zum Einkaufen nach Düsseldorf“, erzählt Kurt Bagemühl, Betriebsleiter von Medicare in Neuss.

Um den Service anbieten zu können, zahlt der Kreis rund 100 000 Euro pro Jahr. „Die Teilhabe behinderter Menschen ist uns wichtig und gehört zu einem sozialen Kreis dazu“, sagt Landratvertreter Jürgen Steinmetz.

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