Markenschutz für Schützen-Ampelmännchen. Droht ein Urheberstreit?

Schützenampel in Neuss : Droht Streit um den Ampelschützen?

Adriana Meyen hat sich den Schützen-Ampelmann schützen lassen. Das könnte ein Problem für den Verein sein.

Das Schützen-Ampelmännchen ist jetzt eine Marke. Mehr als ein Dutzend unterschiedliche Motive davon hat Adriana Meyen designed und zehn davon beim Deutschen Patent- und Markenamt in München unter dem Namen ihrer Firma „Hello Design Me“ eintragen und damit jedes einzelne schützen lassen. „Das Ampelmännchen hat großes Potenzial“, sagt sie.

Cornelia Heuser hatte die gleiche Idee, hat ihre Urheberschaft aber nicht rechtlich abgesichert. „Ich habe das oft überlegt“, sagt sie. „Aber dann müsste ich ja nachhalten, ob meine Motive unerlaubt genutzt oder verändert wurden. Und dabei ginge der ganze Spaß verloren“, sagt sie.

Diese Haltung wird nun zum Problem für das Komitee des Neusser Bürger-Schützen-Vereins, das am Büchel die erste Schützen-Ampel in Neuss ursprünglich mit einem Heuser-Motiv gestalten wollte. Und jetzt? „Einen Urheberrechtsstreit wollen wir vermeiden“, sagt Schützenpräsident Martin Flecken, der das Ampelmännchen Mittwochabend auf die Tagesordnung der Komitee-Sitzung setzte. Von dem laufenden Markenschutzverfahren habe er nichts gewusst.

Mit den Schützen in der Schützenstadt verdienen beide Designerinnen Geld. Heuser zum Beispiel hat 15 Motive von marschierenden Schützen aus dem Neusser Regiment entwickelt, die sie aus Holz aussägt, von Hand bemalt und auch über die Tourist-Info vertreibt. Diese Figuren wurden nun zur Schablone für ihre Ampel-Entwürfe, mit denen sie sich unaufgefordert an die Stadt wandte, als im vergangenen Jahr auf Antrag der SPD die Umrüstung von Fußgänger-Ampeln mit einem Neusser Schützen-Design beschlossen wurde.

Ihre Entwürfe reichte Jürgen Sturm, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft Neuss-Marketing, an die Bürgerschützen weiter. Seine Aufgabe sollte sich auf die Suche nach Sponsoren konzentrieren, die die Umrüstung bezahlen. Die Volksbank Düsseldorf-Neuss habe er schon gewinnen können, sagt Sturm. Die Entscheidung, welche(s) Korps auf die erste Schützen-Ampel kommen, wollte er lieber den Bürgerschützen überlassen.

Adriana Meyen wäre froh, wenn dabei auf ihre abstrakten Motive zurückgegriffen würde. „Es war aber nicht meine Motivation, diese schützen zu lassen, um die Stadt dann abmahnen zu können“, sagt sie – würde aber bei zu großen Ähnlichkeiten ihre Urheberschaft durchaus geltend machen wollen. Vor allem aber will Adriana Meyen ihre Ampelmännchen breit vermarkten: als Motive auf Tassen, Polo-Shirts oder Hoodies oder als Schlüsselanhänger. „Damit kann man schön spielen“, sagt Meyen, die einen teil der Artikel schon vorproduzieren ließ – und diese Investition mit dem Markenschutz absichern will.

Dass ihr Schwiegervater Mario Meyen Komiteemitglied ist, spiele nur insofern eine Rolle, als „dass ich in eine schützenbegeisterte Familie eingeheiratet habe“, sagt die Unternehmerin. Dadurch infiziert, hat sie für die Bürgerschützen noch andere Merchandise-Artikel entwickelt, die auch im neuen Verkaufswagen des Vereins vertrieben werden.

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