Leuchtenberg-Fabrik zieht um

Leuchtenberg-Fabrik zieht um

Die Lebensmittel der Traditionsmarke werden künftig in Bornheim hergestellt. Der Firmensitz bleibt in Neuss.

Neuss Die Firma Leuchtenberg präsentiert sich vom 7. bis 11. Oktober auf der „Anuga“, der großen Lebensmittel-Ausstellung in Köln. Jahrelang waren die Sauerkraut-Hersteller aus Neuss auf dieser Leit-Messe nicht mehr präsent, doch jetzt will Geschäftsführer Joachim Küppers nach eigenen Angaben „Flagge zeigen“. Denn das Werk ist im Umbruch — und nicht nur Kunden fragen sich: Gibt es Leuchtenberg noch?

Ja, sagt der Inhaber Küppers, und das weiter als eigenständiges Unternehmen mit ihm als Geschäftsführer, und mit Firmensitz in Neuss — und Eintrag im örtlichen Handelsregister. Das freut auch den Kämmerer der Stadt, weil Leuchtenberg weiter in Neuss Gewerbesteuern zahlt. „Wir haben Produkte, in deren Name Neuss auftaucht“, sagt Küppers vor allem mit Blick auf das „Neusser Sauerkraut“, die eigentliche Hausmarke. Damit erklärt er den Standort. Das Unternehmen lässt aber offen, ob es auf Dauer dabei bleibt.

Denn die Fertigung erfolgt künftig in Bornheim. Dort, auf dem Gelände der „Rheinischen Konservenfabrik Seidel“, hat Leuchtenberg eine neue Produktionsstrecke aufgebaut. Die sogenannte Heißabfüllung, die das Sauerkraut küchenfertig verlässt, ist schon in Bornheim, die Sparte „Frischsauerkraut“ füllt noch in Neuss ab — bis die Silos mit dem fertig vergorenen Kraut leer sind. Das allerdings muss bis Ende kommender Woche erledigt sein, denn zum 30. September wird die Gesamtliegenschaft vom Neusser Bauverein übernommen. Der hat die gut einen Hektar große Fläche vor mehr als einem Jahr gekauft und wird dort 160 Wohnungen errichten. Den „Rahmenplan“ für die Investition in Größe von rund 33 Millionen Euro liefert das Düsseldorfer Architekturbüro Konrath und Wennemar, das seit exakt einem Jahr als Sieger eines städtebaulichen Wettbewerbs feststeht. Baubeginn soll Mitte kommenden Jahres sein — nach dem Abriss der Fabrik.

Die nimmt neben allen Fertigungsanlagen auch das Tor mit, auf dem die Silhouette des Obertores prangt, das Markenzeichen von Leuchtenberg — und bisher ein geografischer Hinweis auf den Firmenstandort an der Augustinusstraße.

Mit der Verlagerung nach Bornheim kann Leuchtenberg die Produktionskapazitäten um gut 25 Prozent vergrößern. Das befreit die Firma von der Notwendigkeit Gemüse, das in der Erntezeit nicht sofort verarbeitet werden kann, teuer einlagern zu müssen, erklärt Küppers.

Mit dem Kooperationspartner Seidel, mit dem das Unternehmen angesichts eines fast identischen Kundenstammes schon lange im Vertrieb zusammenarbeitet, könnten auch weitere Synergien gehoben und vielleicht gegenseitig neue Geschäftsfelder eröffnet werden. Denn Leuchtenberg, nennt Küppers ein Beispiel, ist „stark im Handelsmarkengeschäft tätig“, produziert Sauerkraut für die Eigenmarken von Rewe oder sogar die Drogeriemarktkette „dm“. Seidel mit seinem ganz anders gelagerten Sortiment fehlt in solchen Regalen.

In einem insgesamt eher schrumpfenden Markt werde Leuchtenberg so fit für die Zukunft, sagt Küppers. Ohne diesen Schritt, so ist er überzeugt, hätte er am alten Standort als Geschäftsführer nicht das eigene Rentenalter erreicht. Mit Leuchtenberg, 1861 in Neuss gegründet, schließt die letzte große Sauerkrautfabrik in Neuss. Sieben waren es zur Hochzeit dieser Branche mit Marken wie „Neusser Stolz“, das seit Jahren in Merzenich produziert wird, und „Neusser Sauerkraut“ — aus Bornheim.

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