Landestheater: Wechsel an der Spitze

Ein neuer Intendant soll das Rheinische Landestheater beleben. Der Vertrag von Ulrike Schanko wird nicht verlängert.

Neuss. Eine "Belebung des Theaters durch neue Konzepte und Ideen" möchte der Trägerverein des Rheinischen Landestheaters erreichen. Das, so hat es der Vorstandsvorsitzende Berthold Reinartz mitgeteilt, soll mit einem neuen Intendanten oder einer neuen Intendantin geschehen: Der Vertrag von Ulrike Schanko wird wie berichtet nicht verlängert.

Einen "völlig normalen Vorgang" nennt das die Intendantin selbst. Ihr Fünf-Jahres-Vertrag läuft im Sommer 2009 aus. Es ist ihre erste Periode als Intendantin, zuvor war sie lange Jahre als Dramaturgin am Landestheater aktiv. Für sie ist die Entscheidung nicht verwunderlich, sagt sie, auch wenn sie mit dem Hinweis auf "frischen Wind" nicht viel anzufangen weiß. Einen Zusammenhang mit dem hartnäckigen Kampf des Theaters gegen die von der Stadt geplanten (und dann deutlich reduzierten) Kürzungen möchte sie nicht direkt herstellen. Doch: "Wenn man sich wehrt, macht man sich nicht gerade beliebt."

Über die Gründe der Nicht-Verlängerung möchte sich der frühere Neusser Bürgermeister Berthold Reinartz nicht äußern: Diskretion sei vereinbart. Er bestätigte gestern allerdings, dass die Findungskommission zur Schanko-Nachfolge bereits zusammengestellt sei. Darin vertreten seien unter anderem der Trägerverein selbst, der Förderverein und ein Mitglied der CDU-Fraktion, der Kulturreferent der Staatskanzlei und auch die Kulturdezernentin der Stadt Neuss. Die Beigeordnete Christiane Zangs übrigens, die nicht Mitglied im Trägerverein ist und somit auch in den Beschluss nicht eingebunden war, betonte gestern: "Ich bedaure die Entscheidung, respektiere sie aber selbstverständlich."

Im Theater an der Oberstraße jedenfalls wird derzeit letzte Hand an die Flyer für den Spielplan 2008/09 gelegt: Die Produktionen müssen verkauft werden, der Vorlauf ist lang. Nun ist es der letzte Spielplan für Ulrike Schanko. Sie hoffe inständig, sagt sie mit Blick auf die Politik, dass die Verantwortlichen jetzt nicht die Möglichkeit sähen, den Etat für das Haus herunter zu schrauben. Die nächste Phase der Spardiskussion könnte genau zum Wechsel einsetzen.

Nein, ein Intendantenvertrag wird nicht automatisch verlängert. In Neuss aber schon nach fünf Jahren auf Wechsel zu setzen, ist mutig, wenn nicht wagemutig. Ulrike Schanko hat bewiesen, dass sie mit ihrem Team - ebenso zäh wie phantasievoll und schließlich erfolgreich - gegen Zuschusskürzungen kämpfen konnte. Ein Nachfolger kommt in schwerer Zeit. Dem Theater, den Theaterfreunden und auch der Stadt ist zu wünschen, dass dieser Mensch ebenso hartnäckig für das Theater ficht. Für eines, das Unterhaltung bietet, ohne dem Mainstream zu verfallen.

08.08.2007
Von Ulla Dahmen

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