Kurioses aus dem Haushalt

In der Neusser Finanzplanung finden sich einige Zahlen, hinter denen Geschichten stecken.

Neuss. Über Geld redet man nicht, man hat es. Es sei denn, man hat Haushaltslöcher. Dann muss man doch mal drüber reden. Der Haushalt einer Stadt, das Zahlenwerk der Kämmerei, hat aber noch viel Schöneres zu bieten als schnöde rote Zahlen. Wir haben die wirklich wichtigen Stellen des Haushaltsbuches herausgesucht, analysiert und knallhart nachgerechnet — von elf Cent bis 212 Millionen Euro. . .

0,11 Euro zahlt jeder Neusser Bürger am Tag an Zinsen. Die Stadt muss nämlich genau 18 089,59 Euro täglich an Zinsen für ihre Schulden aufbringen. Über deren Höhe wollen wir keine unnötigen Fakten verlieren. Damit hätten wir für heute auch zum letzten Mal über Schulden gesprochen — versprochen.

4,90 Euro kostet es, ein Ratsmitglied bei Sitzungen mit Schnittchen und Getränken zu versorgen. Insgesamt sind 28 656 Euro in diesem Jahr für die Verköstigung bei Sitzungen eingeplant. Und davon gibt es 2015 einige. Insgesamt 86 Sitzungen sind terminiert, deutlich mehr als noch im vergangenen Jahr. Rechnet man das hoch mit 68 Stadtverordneten (die natürlich nicht alle an allen Sitzungen teilnehmen), kommt man zu dem Schluss: Das Wohlergehen des durchschnittlichen Stadtverordneten ist mit 4,90 Euro zu erreichen.

8,04 Euro kostet der laufende Neusser Politikbetrieb jeden Bürger der Stadt — im Jahr. Darin enthalten sind Fraktionszuwendungen (546 870 Euro), Aufwandsentschädigungen und so weiter umgerechnet auf die Neusser Einwohnerzahl. Sie persönlich, ja genau Sie, geben im Monat also ganze 67 Cent für die gesamte Politik mit ihren 68 Stadtverordneten und noch viel mehr sachkundigen Bürgern aus. Es dürfte nicht viel geben, für das Sie weniger Geld beiseitelegen. So viel kostet ein Handygespräch ins benachbarte Ausland. Dafür kann man sich schon mal verwählen.

34 Euro kostet die Versicherung für städtische Anschlagsäulen und Plakattafeln. Wenn also alle Vandalen und Graffiti-Sprüher und Pfingststürme sich dazu hinreißen ließen, auf Sachbeschädigungen zu verzichten, wäre das Haushaltsloch schon 34 Euro kleiner.

495 Blumengestecke stehen in diesem Jahr im städtischen Haushalt. Das geht aus dem Posten „Blumen und Weihnachtsgestecke für Bürgermeister, Beigeordnete und Dezernenten“ hervor. 9909 Euro sind dafür eingeplant, und da man ja für 20 Euro ein sehr ordentliches Floristenwerk bekommt, dürfen sich 495 Bürger über einen Strauß aus dem Rathaus freuen. Wenn Sie einer der Glücklichen sind — Gratulation. Und bitte sorgsam gießen.

214 539 Euro kostet im Jahr die Miete von Kopierer und der Kauf von Kopierpapier in der zentralen Post- und Kopierstelle. Rechnen Sie das mal in Blumengestecke um.

Aber in einem Haushalt stehen ja nicht nur Ausgaben, sondern auch Einnahmen und Werte. Zum Beispiel diese:

2521 Euro nimmt die Stadt aus dem Verkauf im Bereich Eheschließungen ein — also durch Stammbücher und weiteren Klimbim. 7655,80 Euro treibt die Stadt durch Buß- und Zwangsgelder im Meldewesen ein. Schauen Sie vorsichtshalber mal auf Ihren Personalausweis.

73 830 Euro bringen Brandsicherheitswachen an Wachgeldern ein. Unsere Feuerwehrleute sind also nicht nur Lebensretter, sondern auch sehr einträglich, wenn sie stundenlang anderen beim Feiern zuschauen müssen.

91 612 397,33 Euro (in Worten: 91 Millionen) sind die städtischen Grünanlagen wert — aber zum Stichtag 31. Dezember 2013. Wir wissen nicht, wie abgebrochene Äste und Bäume durch Pfingststürme diese Bilanz noch durcheinanderwirbeln. Klar ist aber: Wenn die Stadt alles Grün verschachert, könnte sie dafür Cristiano Ronaldo für den SV Uedesheim verpflichten — und es bleiben ja noch 495 Blumengestecke.

212 805 066,43 Euro (in Worten: 212 Millionen) sind sämtliche Straßen, Wege, Plätze und Ampeln wert. Wenn Sie sich also regelmäßig über schlechte Straßen oder rote Amplen ärgern, merken Sie sich: Rote Ampeln sind besser als rote Zahlen.