Kreis Neuss: Weltgeschichte des Alltags

Kreis Neuss: Weltgeschichte des Alltags

Das Jahrbuch des Kreisheimatbundes liegt in seiner elften Auflage vor. 25 Autoren waren beteiligt.

Rhein-Kreis Neuss. Es sind Themen, die zunächst nicht auf strenge Geschichtsforschung schließen lassen. Was hat eine Fahrradtour von Grevenbroich zum Berg Ararat oder die Rückkehr des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings in einem eng mit erlebter Alltagsgeschichte verknüpften Jahrbuch zu suchen? "Gerade diese Mischung von Texten unterschiedlicher Themen aus Geschichte, Sport und Umwelt haben wir bewusst gewählt, um viele Leser anzusprechen", erklärt Peter Ströher vom Kreisarchiv und Redaktionsverantwortlicher für das neue Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss. Ab heute ist das Buch für zehn Euro im Handel erhältlich.

Seit elf Jahren erscheint das Jahrbuch, der Seitenumfang ist stets angestiegen und beträgt bei der aktuellen Ausgabe für das Jahr 2010 insgesamt 283 Seiten. "Vor allem freuen wir uns darüber, dass auch dieses Buch optisch sehr ansprechend gestaltet ist und somit hoffentlich viele Leser findet wird", erklärte Franz-Josef Radmacher, Präsident des herausgebenden Kreisheimatbundes. Kostendeckend sei die Ausgabe auch in diesem Jahr nicht. "Aber es geht bei einem Jahrbuch um mehr", so Radmacher. "Es geht um die Herausbildung und Entwicklung eines gemeinsamen Bewusstseins."

Die 23 im aktuellen Buch enthaltenen Beiträge wurden von 25 Autoren geschrieben. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt: Zwar nimmt die Geschichtsschreibung und Archäologie einen großen Teil des Buches ein. Doch mit Themen wie "Wie die Jugend heute spricht. Dormagener Alltagsdeutsch 2009" aus der Feder von Georg Cornelissen und Rebekka Breiner vom Bonner Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte oder über die Geschichte der Tankstellen in Grevenbroich von Martin Zabel sind aktuelle Themen der jüngeren und jüngsten Geschichte vertreten. "Mein Vater betrieb selbst eine Tankstelle", erinnert sich Radmacher. "Da musste ich manchmal mitten in der Nacht raus, wenn die Glocke läutete. So etwas ist erlebte Alltagsgeschichte, die festgehalten werden muss."

Ein Text von Paul-Heinz Kramp erinnert an das Fährunglück zwischen Uedesheim und Himmelgeist am 7. März 1947, das 14 Menschenleben forderte und für das im Juni dieses Jahres eine Gedenktafel errichtet wurde.

Die Planungen für das Jahrbuch 2011 laufen bereits. Erstmals sollen dazu auch Schüler als Autoren gewonnen werden.

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