X : Kompromiss für Abi-Parade

Auch Schulen außerhalb von Neuss sollen nun teilnehmen dürfen – unter Auflagen.

Plötzliche Kehrtwende bei Bürgermeister Reiner Breuer: Wie die Stadt mitteilte, sollen Schulen außerhalb von Neuss nun doch nicht von der Abi-Parade 2019 ausgeschlossen werden – zumindest, wenn der Veranstalter „Five Seasons“ die Sicherheit der Schüler gewährleistet. Dazu sollen in der nächsten Woche weitere Gespräche mit dem Veranstalter und Vertretern der Schülerschaft geführt werden.

Zu den Auflagen, die der Veranstalter erfüllen soll, gehört unter anderem der Verzicht auf Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, was das Mitwirken von Traktoren und Anhängern für die musikalische Begleitung verhindern würde – auch wenn die Stadt betont, dass die Parade auch zukünftig mit musikalischer Beschallung durch die Stadt ziehen kann. Die Stadt hatte den ursprünglich geplanten Ausschluss noch am Mittwochabend unter anderem damit begründet, dass man „angesichts der Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr“ die Veranstaltung übersichtlicher halten wolle. Mit einer Online-Petition hatten sich Jugendliche von 24 Schulen aus dem gesamten Rhein-Kreis gegen neue Auflagen der Stadt Neuss für die Abi-Parade 2019 gewehrt. Mit Erfolg!

Doch ist die Sicherheitslage bei der Abi-Parade tatsächlich angespannt? Wie die Polizei mitteilte, wurde in den vergangenen Jahren festgestellt, dass während der Abi-Parade in Neuss, und zum Teil auch schon am Aufstellort, Pyrotechnik abgebrannt wurde. Diese Situation habe nicht nur zu „einer erheblichen Beeinträchtigung der Sichtverhältnisse für die Einsatzkräfte“ geführt, sondern bedeute aufgrund der großen Hitzeentwicklung eine „unkalkulierbare Gefahr“ für die umstehenden Besucher und Teilnehmer.

Anzeigen wegen Körperverletzungsdelikten, die im direkten Zusammenhang mit dem Umzug beziehungsweise der Abi-Parade 2018 stehen, sind bei der Polizei nicht dokumentiert.

Allerdings konnte laut Polizei „gefährliches“ beziehungsweise „risikobehaftetes Verhalten“ der Teilnehmer in den Vorjahren beobachten werden. Diese Verhaltensweisen seien mit der Stadt Neuss und dem Veranstalter erörtert worden. Ein großes Problem seien nach Angaben der Stadt die Security-Mitarbeiter gewesen, die ihren Job als Wagen-Begleiter „nur halbherzig“ erledigt hätten. So sei es möglich gewesen, dass Schüler während der Fahrt auf die Fahrzeuge klettern konnten, um zu tanzen. Christopher Diel vom Veranstalter „Five Seasons“ hatte diesen Vorwurf entschieden zurückgewiesen. Er möchte nun die Gespräche mit der Stadt abwarten, betonte jedoch, dass er Traktoren bei einer Parade nicht als Sicherheitsrisiko ansieht. „Es wäre äußerst schade, wenn nur noch Pkw mitfahren dürften“, so Diel.

So sehen das auch Mika Hadeler (19) vom Gymnasium Norf, Lea Seitz (17) und Jan Felix Neukirchen (18), die beide das Norbert-Gymnasium Knechtsteden besuchen. Die drei Mit-Initiatoren der Petition sind zwar froh, dass die Stadt schnell auf die Beschwerden aus der Schülerschaft reagiert hat, für sie ist das Verbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen aber keine Option. Das Problem: Die Planungen für das große Event laufen bereits seit Monaten. Verträge mit DJs sind bereits unterschrieben und auch ein Großteil des Equipments ist schon organisiert.

Von den verschärften Auflagen erfuhren die Schülervertreter erst bei einem Treffen mit dem Veranstalter am 28. Januar. Schnell wurde der Kontakt zur Stadt gesucht. Am Dienstag wurde dann die Online-Petition gestartet. Aktuell setzen die Schüler ihre Hoffnungen in das Treffen mit der Stadt in der kommenden Woche. Lea Seitz betont: „Uns geht es nicht darum, dass am Ende jemand als Sieger hervorgeht. Wir wollen eine konstruktive Lösung, mit der beide Seiten am Ende zufrieden sind.“

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