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Klassiknacht: Unerfüllte Liebe im Rosengarten

Klassiknacht: Unerfüllte Liebe im Rosengarten

Nach einem Regentag wurden die Besucher von der Kammerakademie mit einem gefühlvollen Abend belohnt.

Neuss. Immer wieder hatte es am Freitag geregnet. Dennoch zogen zahlreiche Neusser am Abend in langen Reihen mit Klappstühlen, Decken, Kerzen und reichgefüllten Picknickkörben beladen in den Rosengarten. Dort bot bei der 13. Klassiknacht die Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein unter Leitung von Lavard Skou Larsen Musikgenuss pur.

„Unerfüllte Liebe“ war Thema dieser Klassiknacht. Damit die Gäste diesmal kräftig mitsingen konnten, studierten sie gemeinsam eine Chorpassage aus Puccinis „E lucevan le stelle“ ein. Als die Klassiknacht um 21 Uhr begann und Bürgermeister Herbert Napp mit Konzertsponsor Günter Gressler von 3M die Gäste begrüßte, hielt auch das Wetter.

Einen stimmungsvollen Beginn gab es mit der Ouvertüre zu Smetanas „Die verkaufte Braut“. Großen Applaus erntete auch die Solistin Jackie Xiao für das Violinkonzert von Johannes Brahms. Wie sehr die ausgewählten Komponisten unter einer „unerfüllten Liebe“ litten und dies ihr kompositorisches Schaffen beeinflusste, erläuterte geistreich-witzig vor jedem Stück der Moderator Daniel Finkernagel. So berichtete er von den Gefühlswallungen des Johannes Brahms, der nach langer Freundschaft zu Clara Schumann einen Brief erhielt, in dem sie statt des gewohnten „Sie“ das „Du“ benutzt. „Lebst Du schon oder schreibst Du noch?“ lautete der lapidare Kommentar Finkernagels zu der vertanen Chance, diese Geste zu nutzen.

Nach der Schlappe der Nationalelf hätten die Zuschauer bestimmt ein erbaulicheres Thema als „Unerfüllte Liebe“ gebraucht, aber spätestens mit dem Auftritt des Tenors Fausto Reinhart, einem in Stuttgart geborenen Halbitaliener, mit einer Arie aus Verdis Aida, waren die Gäste mit Italien ausgesöhnt. Bei den ersten Tönen von „La donna è mobile“ aus Verdis Rigoletto summten und schunkelten die Zuschauer begeistert mit.

Ebenso gefühlvoll und ergreifend ging es nach der Pause weiter. Den Anfang machte die voller Elan gespielte Ouvertüre zur Operette „Candide“ von Leonard Bernstein. Und auch das Cellokonzert von Edward Elgar, dargeboten von der in Neuss geborenen Heike Schuch, seit Januar Stipendiatin der Kammerakademie, honorierten die Zuschauer mit viel Applaus. Nahezu frenetisch war aber der Beifall, den der Tenor Reinhart für seine Darbietungen aus La Bohème und Tosca erntete. Und obwohl der Einsatz des Publikums als Chor noch nicht ganz die Höhen einer Arena di Verona erreichte, sorgte er doch für Gänsehaut-Stimmung. Vor allem, als mit Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ zu Feuerwerk und Wasserfontänen die Klassiknacht zu Ende ging.