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Kirchenrevolte im den katholischen Gemeinden im Süden von Neuss

Enttäuschung bei den Gläubigen : Weihbischof will Kirchenstreit im Neusser Süden schlichten

Kirchenvorstände und Pfarrer sind sich uneinig über die Rolle der Laien in der Pastoral.

Kirchenfern: Bis jetzt bezeichnete man so Getaufte, die mit der Amtskirche keinen Kontakt (mehr) haben. Im Neusser Süden übersetzen das immer mehr Gläubige inzwischen mit Ferne der Kirche. Der aufgestaute Groll von Katholiken in der St.-Paulus-Gemeinde Weckhoven („Wir fühlen uns mehr als verwaist.“) entlud sich in einem Brief an den Kölner Erzbischof, den jetzt auch die Kirchenvorstände von St. Cornelius (Erfttal) und St Cyriakus (Grimlinghausen) in ihrem eskalierenden Streit mit dem leitenden Pfarrer Willi Klinkhammer zu Hilfe gerufen haben. Vordergründig scheint es nur um Geld zu gehen, sagt der Erfttaler Heinz Sahnen. Viel mehr aber sieht er durch den Streit das Miteinander von Priestern und ehrenamtlich tätigen Laien berührt – und beschädigt. Die Amtskirche reagiert schroff. Nach Monaten des Briefverkehrs zwischen dem Generalvikariat und den zehn Unterzeichnern des Weckhovener Appells an den Bischof kam es am Dienstag endlich zu einem Schlichtungsgespräch in Köln. „Das war nicht schön“, sagt Karin Kilb – und führte auch zu keinem Ergebnis. Ein zweites Treffen wurde für den 4 Dezember verabredet. „Wir sind enttäuscht“, sagt Kilb.

Auch der Streit der Kirchenvorstände mit dem leitenden Pfarrer für die Seelsorgeverbände „Neuss Süd“ (Apostelgemeinden) und „Rund um die Erftmündung“ ist noch nicht ausgestanden und wird wohl noch die Intervention von Weihbischof Dominikus Schwaderlapp erforderlich machen, der vermittelnde Gespräche angeboten hat.

Ursächlicher Streit über
den Etat ist beendet

Dabei sind die ursächlichen Reibereien um den Etat für den Kirchengemeindeverband (KGV), der für alle vier Gemeinden „Rund um die Erftmündung“ die Aufgaben „Pastoral und Verwaltung“ erledigt, durch Bewilligung weiterer 15 000 Euro beigelegt. „Ohne frohes Lied auf den Lippen“ sei eingelenkt worden, gibt Norbert Reuber von St. Konrad (Gnadental) zu. Dort bewertet man die Forderung des Pfarrers anders als etwa Volker Groberg mit dem KV St. Cyriakus. Der pocht auf die (Mitsprache)-Rechte der gewählten Kirchenvorstandsmitglieder, aber auch auf die Verantwortung, die diese haben: „Für Fehlentscheidungen haften wir mit unserem Privatvermögen.“ Groberg kritisiert das Vorgehen des Pfarrers in diesem Konflikt massiv. Der hatte für den schon im Finanzausschuss des KGV abgestimmten Etat mehr Geld für pastorale Arbeit eingefordert und – als die Kirchenvorstände nicht noch mehr von ihrem Geld aus Kirchensteuermitteln herausrücken wollten – Markus Bosbach eingeschaltet, den Hauptabteilungsleiter Seelsorge in Köln. Was wiederum den Hilferuf der Kirchenvorstände provozierte. Insgesamt ein einmaliger Vorgang, wie Frank Lautwein zugibt.

Der Verwaltungsleiter des Seelsorgeverbandes kann keinen formalen Fehler des Pfarrers erkennen. Der habe sich als Vorsitzender des KGV-Vorstandes im Verfahren zur Etataufstellung genau an dem Punkt zu Wort gemeldet, als der mit den Gemeinden abgestimmte Gesamtentwurf auf den Tisch kam. Vorher sei er nicht zu beteiligen. Und die Forderung selbst kann er nur unterstreichen. Um die schwarze Null im Etat hinzubekommen, hätten sogar Ausgaben für die Erstkommunion- und Firmvorbereitung auf Null gesetzt werden sollen, nennt er zwei Vorschläge aus dem Finanzausschuss. Auf beides habe der Pastor nicht verzichten wollen – und können. Die Notwendigkeit, mehr Geld an den KGV abzugeben, sieht Reuber aus aus diesem Grund ein: „Wir entgehen damit einer Fusion.“