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Karolin Laimmer: Als Au-pair-Mädchen in Chicago

Karolin Laimmer: Als Au-pair-Mädchen in Chicago

Karolin Laimmer wird ihre Familie ein Jahr nicht sehen. Sie geht in die USA.

Neuss. Wenn sich am 29. Juni im Gymnasium Marienberg die Schülerinnen mit Freunden, Lehrern und Familien zum Abi-Ball versammeln, hat Karolin Laimmer noch knapp eine Woche Zeit. Dann wird sie ihre Koffer packen und in den Flieger steigen, der in die USA abhebt. „Ich werde zwölf Monate als Au-pair in Chicago arbeiten“, sagt die Abiturientin.

Während sich fast 2000 Neusser Abiturienten, allein 285 am Gymnasium Marienberg, um die wenigen Studien- oder begehrte Ausbildungsplätze bemühen, wird die 18-Jährige in einer fünfköpfigen Familie in Chicago auf ein siebenjähriges Mädchen aufpassen. „Das wird sicher spannend“, sagt sie und lächelt. Ihren Freund, die Clique, Eltern und ihre 15-jährige Schwester wird sie ein Jahr nicht sehen. Kein Grund zur großen Trauer für Karolin: „Ich komme ja wieder.“

Die Entscheidung, nach dem Abitur in die USA zu gehen, sei bereits vor zwei Jahren gefallen. „Da waren Freundinnen für ein High-School-Jahr in Amerika und haben so viel Schönes berichtet, dass ich mir vorgenommen habe, diese Erfahrungen auch machen zu wollen.“

Vor etwa einem halben Jahr hat sich die Meerbuscherin, die seit der fünften Klasse in Neuss zur Schule geht, dann eine Organisation gesucht, die Au-pairs an Familien vermittelt. Es sollten die USA sein, soviel stand fest. „Au-pairs haben dort einfach die besten Arbeitsbedingungen. Es gibt einen Mindestlohn und festgelegte Arbeitszeiten von maximal 45 Stunden in der Woche. Außerdem kann man Kurse am College belegen.“

Karolin hat sich gut informiert. Das habe auch ihrer Mutter die Angst genommen, die älteste Tochter ein Jahr auf sich alleine gestellt in ein fremdes Land zu lassen. „Erst waren meine Eltern nicht so begeistert, aber als sie gemerkt haben, dass ich mich informiere und das unbedingt will, fanden sie es gut.“

Doch auch wenn die quälende Frage der Berufswahl nun erst einmal um ein Jahr verschoben ist, macht sich Karolin schon Gedanken, in welche Richtung sie nach dem Au-pair-Jahr gehen möchte. Denn wie viele Mitschüler, kann sie sich noch nicht für einen Beruf entscheiden. „Ich liebe Kunst. Aber ein Kunststudium wäre mir zu unsicher“, sagt sie.

„Es ist schwierig, weil mir auch Naturwissenschaften wie Biologie und Chemie Spaß machen. Aber Sozial- und Geisteswissenschaften finde ich auch interessant.“ Vielleicht wird das Jahr in Chicago zum Entscheidungsprozess beitragen.

Eins ist für Karolin sicher: Die Freundschaften aus der Schule sollen solange wie möglich erhalten bleiben. „Wir haben uns schon vorgenommen, uns mindestens einmal im Monat zu treffen, wenn ich aus den USA wieder da bin. Egal wo wir dann wohnen.“