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Kabarett: Gnadenlos lästern mit „Respekt“

Kabarett: Gnadenlos lästern mit „Respekt“

Wolfgang Nitschke zerlegte am Samstag in seinem Solo-Programm im Theater am Schlachthof Bücher in ihre Bestandteile.

Neuss. Leicht macht es sich Wolfgang Nitschke nicht: Für seine „Stinkstiefelparty“ im Theater am Schlachthof (TaS) hat der Kölner Kabarettist am schwülwarmen Samstagabend viel Stoff mitgebracht. Gleich ein gutes Dutzend mehr oder weniger bekannte Bücher stellt er seinen Zuhörern vor und zerlegt die Werke nach dem Motto „Zitate sind wie Argumente“ mit spitzer Zunge in seine Bestandteile.

Respektlos, zynisch und pointiert geht der 55-Jährige dabei in seinem zweistündigen Solo-Programm „Respekt“ mit den zahlreichen literarischen Werken ins Gericht. „Bestsellerfresser“ Nitschke rezitiert und lästert gnadenlos.

Mal spricht das als „Lobgesang auf 61 Jahre deutscher Bundestag“ titulierte „Parlamentarische Schimpfbuch“ schon für sich, in dem Stilblüten von Politikern versammelt sind wie: „Der Norden Afghanistans ist fast doppelt so groß wie die Hälfte der Bundesregierung Deutschlands“ oder „Beim Kampf gegen die Todesstrafe müssen alle an einem Strang ziehen“.

Ein anderes Mal entdeckt er im allerletzten „Quelle-Katalog 58 Dildos und Gummipuppen „inklusive Reparaturset“ oder liest aus dem „im Pipipopokacka-Land“ spielenden Bestseller „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche vor.

Selbst bei religiösen Werken scheint Wolfgang Nitschke auf dieser literarischen Schlachtplatte nichts heilig zu sein. So enttarnt er etwa den Koran als „Bumms-Poesie“ des Mohammed oder „Das Kölner Buch der Religionen“ als „fette Multi-Kulti-Fibel“, bei dem es zumindest für Nitschke mit dem Respekt gegenüber den 100 Glaubensgemeinschaften „eher schwierig wird“.

Zwischendurch packt der Kabarettist ein paar „Tyrannen-Quartette“ aus und liest aus seinen Tagebüchern, in denen er das politische und gesellschaftliche Weltgeschehen der vergangenen Monate knapp und witzig kommentiert.

Als Quintessenz der ganzen nichtsnutzigen Bücher nimmt Wolfgang Nitschke sich schließlich noch Nina Hagens Autobiografie „Bekenntnisse“ vor. Das TaS-Publikum hatte jedenfalls seinen Spaß an der bissigen Satire, spendete verdienten Applaus und war dankbar für die Hinweise, das eine oder andere Buch bewusst nicht zu lesen.