„Kabale und Liebe“ im Landestheater

„Kabale und Liebe“ im Landestheater

Steffen Popp katapultiert „Kabale und Liebe“ auf der Großleinwand in die Gegenwart.

Neuss. „Das war laut“, sagt jemand im Publikum, als das ohrenbetäubende E-Gitarren-Intro verklingt. Stimmt. Doch es war erst der Anfang. Durchs gesamte Stück ziehen sich die Musikeinlagen von Oliver Augst. Mal laut, oft bedrohlich und zwischendurch gewürzt mit Ironie.

Kabale und Liebe: Es ist keine gemütliche Inszenierung, die Steffen Popp vorlegt. Was da im Rheinischen Landestheater vor fast ausverkauftem Haus Premiere feierte, demonstriert, warum Schillers Drama als typischer Vertreter der Epoche „Sturm und Drang“ gilt. Es geht um große Gefühle.

Die Geschichte: Der Adlige Ferdinand und die Geigerstochter Luise verlieben sich, doch Ferdinand soll Lady Milford, abgelegte Mätresse von Vaters Chef, heiraten. Als er sich weigert und droht, Vaters illegale Karrieretricks zu verraten, brütet Sekretär Wurm einen perfiden Plan aus: Durch Erpressung bringt er Luise dazu, einen Liebesbrief an einen Dritten zu verfassen. Doch als Ferdinand den Brief findet, gibt er die Geliebte nicht auf, sondern vergiftet die scheinbar Untreue und sich selbst.

Alte Kamellen? Keineswegs. Die Musik trägt moderne Züge; eine Großleinwand zeigt die Darsteller in Live-Übertragung. Doch der zeitgenössische Bezug hört damit nicht auf. Nicht von ungefähr erwähnt RLT-Dramaturgin Barbara Noth in ihren Erläuterungen zum Stück Namen wie Berlusconi und Putin.

Da ist es nur folgerichtig, dass die Machtverliebten, die Intriganten und Statusverliebten in der Neusser Inszenierung die Bühne dominieren. Allen voran Präsident von Walter, dem das hervorragende Spiel von Andreas Spaniol die Aura eines modernen, zynischen Souveräns verleiht.

Wo der Präsident aufbraust, bleibt Haussekretär Wurm (Pablo Guaneme Pinilla) kalt und berechnend, macht den Hofmarschall von Kalb (Gabriel Rodriguez) zum Werkzeug der Intrige. Und dann ist da noch Lady Milford (Claudia Felix), die sich ihre Verstrickungen mit der Macht halb schönredet, sie halb bedauert.

Die beiden Liebenden? Während im Stück Luise mit ihrer Lauterkeit selbst Lady Milford überzeugt, bleibt Shari Asha Crosson als verliebte Geigerstochter eher blass. Auch Georg Strohbachs Ferdinand gehört nicht zu den Gestalten, die das Stück dominieren — durchaus folgerichtig angesichts der Inszenierung.

Damit arbeitet Stefan Popp eine aktuelle Facette des Klassikers heraus. Die technischen Mittel ändern sich wie die Herrschergestalten. Doch die Konflikte zwischen Korruption und Aufrichtigkeit, Berechnung und Emotion begleiten uns noch heute.

“ Nächster Termin: heute, 14. Januar, 20 Uhr, im RLT.