Kaarster Ratsherr Josef Karis wird 70: Zum Geburtstag ein Wunschkonzert

Kaarster Ratsherr Josef Karis wird 70 : „Dieser Geburtstag ist ein Wahnsinn“

Ratsherr Josef Karis hat seinen 70. Geburtstag gefeiert. Da kam sogar der Neusser Fanfarenkorps vorbei.

„Hast du schon mal so eine Geburtstagsfeier gesehen? Wahnsinn!“: Ein Gast schwärmte von einem zwar verregneten, aber dennoch unvergesslichen Fest am Samstagabend. Da feierte Josef Karis mit drei Tagen Verspätung seinen 70. Geburtstag. Das schlechte Wetter nahm er gelassen: „Wenn es jetzt regnet, ist was Wetter zum Driescher Schützenfest gut.“ Für beste Stimmung sollten unter anderem zwei stattliche Tambourcorps sorgen sowie der Büttger Reimredner Hermann-Josef Maaßen. Josef Karis fasste sich dagegen kurz.

Der Neu-Siebziger nahm jede Menge Präsente entgegen, wobei die Gäste nicht mit Humor gegeizt haben: „Ölprinz von Bohrhausen“ stand auf einem Umschlag, auf einer Karte war folgendes vermerkt: „Der Besitzer dieses Korbes ist jetzt über 70 Jahre alt. Sprechen Sie langsam und deutlich.“ Eine andere Grußkarte erinnerte daran, dass Karis’ zweite Heimat einst die Theke gewesen sei – und jetzt die Apotheke ist. Das kam an bei dem Geburtstagskind, das das Spiel mit Worten liebt, gut an. Gedächtnislücken hatte er keine, als er sein Gedicht über den Nordkanal vortrug. Er erinnerte an die großen Mühen, die Napoleon einst nicht gescheut habe und zog eine ernüchternde Bilanz: „Doch heute zeugt von dieser Mühe nur noch ’ne fiese Brühe.“ Seine Hoffnung, dass der Nordkanal noch mal sauber werde, habe er noch nicht aufgegeben.

„Karis ist ein Mann
mit dem Herz am rechten Fleck“

„Alt ist, wer den Mut verliert und sich für nichts mehr interessiert“, reimte wenig später Hermann-Josef Maaßen. Er lobte den 70-Jährigen – einen Mann „mit dem Herz am rechten Fleck“ – nicht zuletzt wegen seiner Großzügigkeit und überreichte ihm ein druckfrisches Plakat vom Büttger Schützenfest. „Es wurde gemunkelt, dass ihr kommt“, erklärte Karis, als das Neusser Fanfarenkorps mit rund 30 Musikern auf den Hof kam. „Ich würde gerne noch den Parademarsch hören – kriegt ihr das hin?“, fragte das Geburtstagskind – manchmal ist das Leben eben doch ein Wunschkonzert. Zuvor war das Grenadier-Tambourcorps „Rheinklänge“ Grimlinghausen aufgetreten.

Der Hubertus-Schütze Christoph Doneke hatte ein besonders ausgefallenes Geschenk für den Hubertusmajor mitgebracht: Eine Pferdedecke in Hubertusgrün mit goldener Umrandung auf der einen und dem Logo von Borussia Mönchengladbach auf der anderen Seite. „Von der CDU waren bisher nur kleine Leute da, jetzt kommt ein Großer“: So begrüßte Josef Karis den neuen stellvertretenden Bürgermeister Heinz Kampermann. „Ich freue mich, dass mich eine meiner ersten Amtshandlungen auf diesen Hof führt“, erklärte Kampermann und erklärte folgendes: „Ich hoffe, dass du auch im nächsten Lebensjahrzehnt ein so feiner Kerl bleibst.“ Dann stimmte er „Hoch soll er leben“ an und Karis war begeistert: „Ich freue mich, dass wir wieder einen singenden Bürgermeister haben, wenn auch nur einen stellvertretenden.“ Sabine Kühl überreichte im Namen der SPD einen kleinen Apfelbaum, Ralf Ernst von den „Linken“ hatte sich für eine Flasche Rotwein als Geschenk entschieden, die Bäckerei Esser hatte eine Fototorte gebacken mit dem Hubertusmajor Karis als Motiv. Schade nur, dass es regnete und kalt war – die Plätze in der Nähe der Heizpilze waren die begehrtesten.

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