In Dormagener Pizzeria Drogenkuriere rekrutiert

In Dormagener Pizzeria Drogenkuriere rekrutiert

Das Lokal gehörte zu den zentralen Plattformen für eine international agierende Bande.

Dormagen. Eine Pizzeria in Dormagen war zentraler Ort für die Anwerbung von Drogenkurieren. Das gaben gestern Ermittler des Landeskriminalamtes und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf bekannt. Dort, wie auch an anderen einschlägigen Orten in nordrhein-westfälischen Städte wie Diskotheken, haben offenbar Mitglieder einer Deutsch-Iranischen Bande sogenannte Flug-Kuriere angeworben, die Süchtige in den USA, Japan und Australien mit harten Drogen versorgen.

In das Täterbild — die LKA-Beamten sprechen von Reisenden im Alter von 22 bis 49 Jahren — passen die beiden Dormagener (37 und 49), die im April vergangenen Jahres bei der Einreise nach Australien mit vier Kilo Kokain im Gepäck erwischt worden sind. Das Paar war wegen seiner Nervosität den Zollbeamten auf dem Flughafen von Sydney aufgefallen. Bei der Kontrolle wurden vier Kilo Kokain mit einem Marktwert von etwa 785 000 Euro in den Kofferauskleidungen entdeckt. Seitdem sitzen die damals 49 Jahre alte Dormagenerin und ihr 37 Jahre alter, aus Tunesien stammender Partner im Gefängnis. Beide lebten in einer Wohnung an der Kölner Straße. In der Nähe, in der Rathaus-Galerie, hatte die 49-Jährige auch ihren Arbeitsplatz.

Dem Paar wurde vor einem Jahr die Freilassung gegen Kaution verweigert. Jetzt wartet es auf seinen Prozess. Aktuell sieht es so aus, als würde die Verhandlung der Dormagenerin im Juni beginnen. Die Haftzeit wird mit der letztlichen Strafe verrechnet. Dem Paar droht im schlimmsten Fall lebenslange Haft. Bei einer Großrazzia des LKA ergangenen Monat durchsuchten die Beamten mehr als 30 Wohnungen und Geschäftsräume in NRW, darunter in Dormagen und in Rommerskirchen. Gestern gaben LKA und Staatsanwaltschaft Düsseldorf Einzelheiten bekannt. So Ermittlungen gegen 40 Verdächtige, die im Verdacht stehen, umfangreich mit Drogen gehandelt zu haben.

Die Rede ist von 20 Drogenkurieren aus NRW. Nähere Angaben zu den Verdächtigen, von denen acht in Untersuchungshaft sitzen, machte das LKA nicht. Die australische Bundespolizistin Andrea Humphrys sagte gestern: „Für Drogenschmuggel drohen in Australien bis zu 25 Jahre Haft.“ Offenbar steckt hinter dem Drogenhandel eine Bande im Rheinland, an die mindestens fünf Millionen Euro geflossen sein sollen. Der Kopf der Bande soll ein 63 Jahre alter Deutsch-Iraner aus Düsseldorf sein.