Im Eiltempo durch die Stadtgeschichte von Neuss

Neuss historisch : Neuss hat eine bewegte Geschichte

Soldaten, die zu Fuß aus Rom kamen, legten den Keim für die heutige Großstadt.

Mit mehr als 2000 Jahren ist Neuss eine der ältesten Städte Deutschlands und präsentiert sich entsprechend traditionsbewusst – aber zugleich weltoffen. Hält man zu Beginn des neuen Jahres nicht nur Rückschau auf das vergangene Jahr, sondern unternimmt eine Zeitreise durch die Geschichte, trifft man zuerst auf ein römisches Militärlager..

Das Jahr Null

Könnte man in die Jahrzehnte um Christi Geburt zurück reisen, würde man das einfache Feldlager mit vielen Lederzelten im heutigen Gnadental sehen, das sich langsam zum befestigten Stützpunkt der Römer entwickelt. Von dort aus werden Invasionen in die rechtsrheinischen Gebiete unternommen. Abseits des Lagers bildete sich in der heutigen Altstadt ein Vicus, eine zivile Siedlung mit Häusern aus Holz und Lehm.

Das Jahr 500

Ein halbes Jahrtausend später sieht es in Neuss ganz anders aus: Die Franken sind von Osten über den Rhein gekommen und haben das Gebiet endgültig von den Römern erobert. Wie die damalige Siedlung ausgesehen hat, weiß man bis heute nicht genau. Vermutlich könnte man einige merowingische und karolingische Gräberfelder finden – darauf weisen die wenigen archäologischen Funde aus dieser Zeit hin.

Das Jahr 1000

Dreht man den Zeiger erneut fünf Jahrhunderte weiter, hätte man dort, wo heute Sankt Quirin steht, bereits eine Kirche besuchen können. Sie gehört zum Kloster der Benediktinerinnen, das auf dem Hügel in der als portus bezeichneten Kaufmannssiedlung liegt. Das Kloster sollte sich in der folgenden Zeit in ein adliges Damenstift umwandeln. Sogar Kaiser Heinrich II. hätte man im Jahr 1023 in Neuss treffen können. Außerdem hätte man den Beginn der Quirinusverehrung miterleben können. Der Überlieferung nach soll die Äbtissin Gepa im Jahr 1050 die Gebeine des Stadtpatrons nach Neuss gebracht haben.

Das Jahr 1500

Nochmal ein gutes halbes Jahrtausend in der Zeit weitergereist, könnte man Neuss am Wendepunkt seiner damaligen Blüte besuchen. Die Stadt hatte 1474/75 elf Monate Belagerung durch den burgundischen Herzog Karl den Kühnen überstanden. Kaiser Friedrich II. hatte deswegen die tapferen Neusser mit besonderen Privilegien wie dem Recht, eigene Münzen zu prägen, belohnt. Doch danach litt die Stadt nicht nur unter den Zerstörungen und den finanziellen Belastungen durch den Wiederaufbau, sondern 1483 auch an der Pest, die viele Opfer forderte. 1586 folgte eine weitere Katastrophe: Im Truchsessichen Krieg zerstörte ein verheerender Brand große Teile der Stadt, das Rathaus und die Kirche St. Quirin .

Die Gegenwart

Bei der Weiterreise in die Gegenwart passiert man die Besetzung durch die französische Revolutionsarmee, die Jahre preußischer Herrschaft und zwei Weltkriege. Man erlebt, wie 1963 die Zahl der Einwohner auf 100.000 wächst und Neuss durch die Geburt eines kleinen Mädchens zur Großstadt wird, die 1984 ihr 2000-jähriges Bestehen feiert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung