HTC kommt Klassenerhalt näher

Der Hallenhockey-Bundesligist gewinnt in Mülheim mit 7:6. Gegen RW Köln verpassen die Neusser eine Überraschung nur knapp.

Neuss. Der HTC Schwarz-Weiß Neuss ist dem Klassenerhalt in der Hallenhockey-Bundesliga ein großes Stück näher gekommen. Der Aufsteiger gewann am Sonntag überraschend mit 7:6 (4:3) bei Uhlenhorst Mülheim und hat nun sechs Punkte Vorsprung vor dem Kahlenberger HTC, der nur noch drei Spiele Zeit zum Aufholen hat. Schon einen Tag vor dem Sie hatten die Neusser dicht vor einer Sensation gestanden: Letztlich unterlagen die dem Deutschen Meister Rot-Weiss Köln aber mit 6:7 (3:2).

Gegen Mülheim lagen die Neusser nach sechs Minuten schon mit 0:3 zurück. Trainer Matthias Gräber schwante da Böses: „Ich dachte, das wird eine ganz bittere Pille.“ Doch die Neusser gingen entschlossen zum Angriff über: Bis zur Pause drehten der dreimal erfolgreiche Sebastian Draguhn und Philipp Weide, der per Strafecke zum 4:3 traf, das Spiel.

Im zweiten Abschnitt packten Cedric Heimbach und Tomasz Górny zwei weitere Tore zur 6:3-Führung drauf (51.). Gräber sah, dass „Mülheim wütender und wütender wurde“ und schließlich sogar den Torhüter zugunsten des sechsten Feldspielers opferte. Die Taktik ging auf, nach 58 Minuten stand es 6:6. Doch der Punkt reichte Uhlenhorst im Kampf um Platz zwei nicht, die Gastgeber wählten die Risiko-Variante und ließen ihren Keeper auf der Bank. Mitten in die nun verzweifelten Attacken platzte dann der Siegtreffer der Neusser durch Weide (59.).

Schon am Tag zuvor hatten die Schwarz-Weißen dem Favoriten aus Köln die Stirn geboten, begegneten den ausschließlich mit Auswahlspielern besetzten Gästen über fast 60 Minuten auf Augenhöhe. Kölns Coach André Henning fand sogar: „Wir können uns bei unserem Torhüter Nicolas Hillmann bedanken, dass wir in der ersten Hälfte nicht deutlicher in Rückstand geraten sind. Da fand ich Neuss besser, die Führung war verdient.“

Die Hausherren begannen vor 400 Zuschauern ungemein druckvoll und konzentriert. In der 9. Minute nutzte der überragende Draguhn die erste Strafecke zur verdienten Führung. Górny erhöhte bei der zweiten Strafecke auf 2:0 (10.).

Auch vom 2:2-Ausgleich der Kölner ließen sich die Neusser nicht beirren, gingen durch Weide erneut in Front. Erst mit Beginn des zweiten Abschnitts schien sich die größere Qualität des Titelkandidaten durchzusetzen. „Da haben wir für rund eine Viertelstunde die Übersicht verloren“, räumte Gräber ein. RW nutzte das, um zunächst mit 4:3 (34.) und nach dem Ausgleich durch Draguhn (38.) mit 6:4 (42.) in Führung zu gehen. Doch die unerwartet starke Gegenwehr des Neulings, der seine beste Saisonleistung zeigte, zehrte an den Nerven der Kölner. So sah Nationalspieler Christopher Rühr wegen Meckerns erst die Grüne und dann die Gelbe Karte (Zeitstrafe).

Schwarz-Weiß ließ sich einfach nicht abschütteln, kam durch Ivo Otto auf 5:6 (47./Ecke) heran. Draguhn verkürzte nach einem weiteren Gegentor abermals: 6:7 (51.). Acht Minuten vor Schluss scheiterte Otto bei der siebten Neusser Strafecke an Hillmann. So wurde es nichts mit dem „verdienten Punkt“ (Gräber). Das kümmerte das begeisterte Publikum in der Stadionhalle aber wenig, zum Abschied gab es stehende Ovationen.

Die Spieler haderten indes. So bilanzierte Draguhn stellvertretend für alle: „Wenn du schon mal einen Tag erwischst, an dem alles klappt, dann willst du auch was Zählbares mitnehmen.“

In der Form vom Wochenende ist für den HTC allerdings auch am morgigen Mittwoch (20.30 Uhr, Halle Am Seestern) im Derby beim Düsseldorfer HC etwas drin. „Unser Wochenende war schon stark“, befand Gräber zu Recht: „Mittlerweile hat bei uns jeder gesehen, dass es etwas bringt, wenn alle mit 120 Prozent verteidigen.“

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