Hammfeld II: Entscheidung naht

Hammfeld II: Entscheidung naht

Rat soll im Juni beschließen, ob die Fläche als Standort für Landesrechenzentrum im Rennen bleibt.

Neuss. Als einzige Fraktion hat Bündnis 90/Die Grünen Christoph Napp-Saarbourg in ihre Geschäftsstelle eingeladen. Dort soll der Vorsitzende der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN) am Montag, 8. Juni, zu Plänen Stellung nehmen, unter die Bürgermeister Herbert Napp keine 14 Tage später am liebsten schon einen Haken machen würde: die Entwicklung des Standortes Hammfeld II durch den Berliner Möbelhaus-Investor Kurt Krieger.

Der macht die Angelegenheit dringend, denn das Landesfinanzministerium hat den Neubau eines Landesrechenzentrums ausgeschrieben — und Neuss gilt als möglicher Standort. Angeblich ist im Juni mit einer Entscheidung zu rechnen. Damit Neuss als Standortgemeinde im Rennen bleibt, muss zu diesem Zeitpunkt ein verbindlicher Ratsbeschluss pro Ansiedlung vorliegen. Um diesen Grundsatzbeschluss soll es am 19. Juni gehen.

Allerdings will niemand isoliert über den möglichen Behördenneubau an der Hammer Landstraße reden. Der Investor Krieger nicht, der in dem Dreieck zwischen dem neuen Möbelhaus und der Rennbahn noch einen Sconto-Möbelmarkt und einen Bauhaus-Baumarkt ansiedeln möchte. Und auch die Politik nicht, die, wie es die CDU-Fraktionsvorsitzende Helga Koenemann stellvertretend für viele ausdrückt, ein Gesamtkonzept und keine Stückwerksplanung haben möchte. „Durchorganisiert, genau gestaltet und aus einem Guss“, wie sie betont. Und ohne Restflächen übrig zu lassen. Ohne Berücksichtigung dieser sicher hohen Anforderungen, so gab sie Krieger-Geschäftsführerin Edda Metz beim Besuch der CDU-Fraktion mit auf den Heimweg, „läuft das nicht“.

Der Berliner Investor Krieger hatte Mitte 2013 nicht nur das Grundstück für das inzwischen eröffnete Höffner-Möbelhaus erworben, sondern zugleich angeboten, auch die Restfläche im Hammfeld II zu entwickeln. Das wäre ihm noch einmal 15 Millionen Euro für die Grundstücke wert. Die Stadt räumte ihm auf diese Flächen eine fünfjährige Option ein, will aber in Planungsfragen das Heft in der Hand behalten.

Mit dem von Krieger und dem Investor, der für die Landesbehörde bauen soll, vorgestellten Rahmenplan hat die FDP-Fraktion von allen Fraktionen die geringsten Probleme. „Wir unterstützen das“, sagt der Fraktionsvorsitzende Manfred Bodewig. Er sieht das Vorhaben auf einer Linie mit der Höffner-Ansiedlung und dem Masterplan „Neuss an den Rhein“.

Die SPD sieht zwar den finanziellen Aspekt, der den Haushaltsausgleich 2016 sichern könnte, möchte aber auch einen städtebaulichen Akzent gesetzt sehen. Man sei mit Architekten darüber im Gespräch, so der Fraktionsvorsitzende Arno Jansen, ob man etwas machen kann, „was über den Grundstücksverkauf und den Bau eines Baumarktes und eines Billigmöbelhauses hinausgeht“. An ein Landesrechenzentrum in Neuss glaubt er allerdings nicht.

Die Grünen hatten im Koalitionsvertrag mit der CDU festgeschrieben, keinen weiteren Einzelhandel mehr im Hammfeld II zuzulassen. Mit dem, was nun diskutiert wird, sei man „nicht glücklich“, gibt Susanne Benary-Höck (Grüne) zu. Ihre Fraktion habe sich noch auf keine Linie mit der CDU verständigt. Deren Vorsitzende führt heute vertrauliche Gespräche mit Interessenten, die — angestoßen durch die Diskussion — auch auf die Fläche wollen. Gegen einen Grundsatzbeschluss im Juni spreche das nicht, findet Koenemann: „Wenn das Land eine Zusage braucht — warum nicht?“

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