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Grundlegendes zu Freiheit und Verantwortung

Grundlegendes zu Freiheit und Verantwortung

900 Gäste folgten dem Gespräch von Erzbischof Zollitsch und Staatsrechtler Kirchhoff.

Neuss. Das Interesse am 15. Augustinus-Forum war überwältigend groß: 900 Gäste füllten die Stadthalle, um Erzbischof Robert Zollitsch, den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, und Paul Kirchhoff, den bekannten früheren Bundesverfassungsrichter und „Professor aus Heidelberg“, zum Thema „Christus bezeugen — Gesellschaft gestalten“ zu hören.

Unter Moderation des Deutschlandfunk-Chefredakteurs Stephan Detjen entspann sich ein Gesprächsabend, in dessen Verlauf viel Übereinstimmung herrschte, Grundlegendes erbaulich dargestellt wurde und aktuelle, die Kirche beunruhigende Themen weitgehend ausgespart blieben.

Die Kirche sei eine lernende Kirche, betonte Erzbischof Zollitsch zu Beginn und verwies auf das II. Vatikanische Konzil, das die Autonomie der weltlichen Wirklichkeit hervorgehoben habe. „Doch wir sind kein Verein zur Pflege der Gebräuche.“ Die Verkündung des Evangeliums als Kernbotschaft schließe die Mitarbeit an der Humanisierung der Welt nicht aus.

Ausgiebig wurde über Freiheit gesprochen. Die vertraute freiheitliche Gesellschaft sei die faszinierendste und riskanteste, betonte Paul Kirchhoff. Diese Freiheit ermögliche evidente sittliche Wertungen — die allerdings eine Quelle brauchten. Für ihn ist das zweifelsfrei die Kirche. „Ich glaube“, so Kirchhoff, „eine freiheitliche Gesellschaft kann nicht gelingen, wenn das Fundament wegbräche.“

Dass Freiheit mit Verantwortung einhergeht, stellten beide Gesprächspartner heraus. Die Vermittlung grundlegender Werte durch die Kirche sah Kirchhoff gefährdet: Vor allem die Kinder kämen zu wenig mit Kirche in Kontakt. „Wer nie der Religion begegnet ist, den halten wir bewusst unmündig“, konstatierte der Jurist.

Der Versuch des Moderators, das Gespräch auf Vertrauensverlust der Kirche oder das besorgte Memorandum von Theologen aus Freiburg zu lenken, blieb im Allgemeinen stecken. Zollitsch verwies auf die von ihm angestoßene Dialoginitiative und gab zur Diskussion eine Zeitspanne bis 2015 an. Kirchhoff dagegen forderte, man müsse „sehr schnell über fundamentale Änderungen nachdenken“. Sicher zeigte er sich, dass die Kirche die Kraft habe, sich fundamental zu erholen.

In der abschließenden Fragerunde äußerte sich allein die Bundesvorsitzende des SkF (Sozialdienst katholischer Frauen) kritisch: So schön sei die Lage dann doch in Wahrheit nicht, betonte Elisabeth Thoma.