Großaufgebot in London

100 Teilnehmer groß ist die Truppe aus dem Kreis. Kritik wird laut.

Rhein-Kreis Neuss/London. Fröhliche Nachrichten aus London: „Der anfangs durchwachsene Auftakt der deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen konnte die gute Stimmung der 100-köpfigen Fan-Gruppe aus dem Rhein-Kreis Neuss nicht trüben“, heißt es in einer Meldung des Kreises. Jetzt richte sich das Augenmerk der Teilnehmer auf den Mannschaftswettbewerb der Säbelfechter Nicolas Limbach, Max Hartung und Benedikt Wagner vom TSV Bayer Dormagen am Freitag.

Seit Sonntag ist die große Gruppe aus dem Kreis in der Olympiastadt. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, sein Vertreter Jürgen Steinmetz, 50 Kinder der Sportjugend, Politiker, Sponsoren, Familienangehörige der Dormagener Sportler und andere Sportbegeisterte aus dem Kreis sind gemeinsam auf Tour. Die Teilnehmer bezahlen Reisekosten, Unterkunft und Tickets selbst, betont der Kreis. 10 000 Euro aus dem Topf der Sport- und Wirtschaftsförderung dienen der Anmietung des Deutschen Hauses für einen Empfang heute und einen Treff für die Sportjugend.

Kritik wird laut. Die Ausgabe der 10 000 Euro haben die Kreispolitiker beschlossen; gegen den Widerstand der SPD, wie deren Kreistagssabgeordnete Rainer Thiel betont. Da kontert Jürgen Steinmetz, der die Kritik nicht verstehen mag, empört und verweist auf den einstimmig gefassten Beschluss im Sportausschuss. „Ursprünglich wollte der Kreis 20 000 Euro“, sagt Thiel. Beschlossen wurde im Sportausschuss — einstimmig bei Enthaltung der Grünen — die Bereitstellung von 10 000 Euro, je zur Hälfte aufgeteilt auf die Etats der Sport- und Wirtschaftsförderung. Das sei eine „glamouröse Wirtschaftsförderung“, sagt Thiel. Zweifel an der rechtlichen Zulässigkeit habe er nicht, finde dieses Vorgehen aber dennoch „einfach nicht in Ordnung“.

Deutlicher wird der Neusser Bürgermeister Herbert Napp (CDU). „Völlig überflüssig“ sei diese Fahrt, „eine schamlose Verschwendung von Kreismitteln.“ Im übrigen sei er ziemlich sicher, dass die Kreisvertreter in London, wo sich derzeit die Staatsoberhäupter auf die Füße träten, nicht eben auffallen würden.

Sport- oder Wirtschaftsförderung? Oder Repräsentanz? „Es geht nur um Sport“, sagte Landrat Petrauschke am Mittwoch in London: „Wir feuern hier unsere Sportler an. Wer kann schon sagen, dass er fünf Athleten nach London geschickt hat?“ Die Wirtschaftsförderung des Kreises zieht den Bogen weiter. Die Sportbegeisterten aus dem Kreis nutzten die Gelegenheit auch für Firmenbesuche und um Kontakte zu knüpfen. „Sport und Wirtschaft sind gut miteinander verknüpft — zum Nutzen von allen Beteiligten“, heißt es in dem Newsletter von Mittwoch.

Der Kreis und seine Partner richten jedenfalls am Donnerstag ihren Empfang im Deutschen Haus aus. Zugesagt haben unter anderem Michael Vesper, Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds, der ehemalige Schwimm-Star Christian Keller und der frühere Radrennfahrer Udo Hempel. Tags darauf organisiert der Kreis auch für die Sportjugend einen Empfang mit vielen Gästen. Zuvor werde die Kreisdelegation die deutsche Außenhandelskammer und die Metallbörse in London besuchen, so die Mitteilung des Kreises.

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