Grevenbroich: Wie es ist, ein Glücksbringer zu sein

Grevenbroich: Wie es ist, ein Glücksbringer zu sein

Schornsteinfeger Reiner Vonnahme wird auch für Hochzeiten gebucht.

Grevenbroich. Seit 25 Jahren klettert Reiner Vonnahme auf Grevenbroichs Dächer: Der 43-Jährige ist Schornsteinfegermeister und Energieberater. Im WZ-Interview erzählt er über seinen Arbeitsalltag und wie es ist, ein Maskottchen am Neujahrstag zu sein.

WZ: Herr Vonnahme, wenn Sie vor oder nach dem Jahreswechsel in Dienstkleidung unterwegs sind, kommt es dann vor, dass die Menschen Sie auf der Straße ansprechen und anfassen wollen, weil Sie sie als Glücksbringer betrachten?

Reiner Vonnahme: Ja, nicht nur um die Silvesterzeit! Viele wollen an den goldenen Knöpfen meiner Uniform drehen oder mir die Hand schütteln, weil sie das als Glück bringend betrachten. Früher kam das jedoch noch häufiger vor. Ich wurde auch mal von einem frisch verheirateten Paar angesprochen, als ich gerade an einem Standesamt vorbeikam.

WZ: Wurden Sie schonmal als lebendiger Glücksbringer für eine Silvesterfeier gebucht?

Vonnahme: Auch das kam vor. Die Gastgeber kannten mich gar nicht, sondern haben sich meine Nummer aus dem Telefonbuch gesucht. Oft werde ich auch von Freunden und Bekannten, mit denen ich Silvester feiere, gebeten, in Arbeitskleidung zu erscheinen. Das mache ich allerdings nicht immer! Ich war aberauch mal das Maskottchen auf einer Hochzeit.

WZ: Hat die Dienstkleidung sich im Laufe der Jahre verändert?

Vonnahme: Der schwarze Zylinder ist heute eher repräsentativ und wird im Dienst kaum getragen. Die schwarze Uniform, die goldenen Knöpfe, der dicke Gürtel - all das ist jedoch geblieben.

WZ: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Vonnahme: Das Schornsteinkehren ist nicht die einzige Aufgabe, die ich habe. Immer mehr kommt auch die beratende Funktion hinzu, zum Beispiel, was Energieausweise betrifft. Seit Juli 2008 müssen Hauseigentümer, deren Haus vor 1965 gebaut wurde, einen Energieausweis haben. Ab dem 1.Januar 2009 betrifft das nun auch Häuser, die nach 1965 entstanden.

WZ: Seit kurzem dürfen Kunden auch Schornsteinfeger aus dem Ausland bestellen. Fürchten Sie die Konkurrenz?

Vonnahme: Nein, überhaupt nicht. Der Weg nach Deutschland rechnet sich nicht für Kaminkehrer aus den Nachbarländern. Niemand ist preiswerter als die Schornsteinfeger aus dem Bezirk. Ich selbst wohne in meinem zuständigen Bezirk, meine Kunden kennen mich, ich kenne sie. Mit der Zeit ist da auch ein Vertrauensverhältnis entstanden.

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