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Grevenbroich: Familienhilfe als Investition in die Zukunft

Grevenbroich: Familienhilfe als Investition in die Zukunft

Stadt unterstützt Angebote von der Awo und des Edith-Stein-Familienforums. Erzieher und Familien sollen gestärkt werden.

Grevenbroich. Auch in den nächsten zwölf Monaten wird die Stadt die Familienbildungs-Angebote des Familienforums Edith Stein und des Bildungswerks der Generationen (AWO Mönchengladbach) fördern. Jede Einrichtung bekommt 8.900 Euro aus dem Stadthaushalt. Davon werden unter anderem die Ausbildung von Kindertagespflegerinnen und Eltern-Kind-Gruppen bezahlt.

Derzeit bietet die Awo 432 Plätze in Eltern-Kind-Gruppen an, im Familienforum sind es 348 Plätze.

Ein Hauptziel beider Einrichtungen ist es, Eltern fit für die Kindererziehung zu machen, Fachleute sprechen von Familienkompetenz. Gabriele Grebing ist Fachbereichsleiterin Jugendhilfe, Bildung und Integration bei der Awo. Sie beobachtet eine enorme Nachfrage nach Gruppen, in denen Eltern und Kinder unter pädagogischer Anleitung Zeit miteinander verbringen. Oft fehlt es selbst an grundlegenden Dingen, beobachtet Grebing: "Selbst ein verlässlicher Tagesablauf ist in den Familien nicht mehr selbstverständlich." Insofern sei Familienbildung eine gute Prävention und helfe, spätere Probleme zu vermeiden.

Joachim Braun, Geschäftsführer des Familienforums, ist überzeugt, dass dieser Bereich in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird. Nach seiner Erfahrung reicht schon ein einziger Kurs, damit Eltern Familienkompetenz gewinnen und Netzwerke bilden. Die Preise schreckten allerdings ab: "Es ist ein Problem, solange ein Kurs 60 Euro kostet. Als wir dank eines Landeszuschusses die Teilnahmegebühren halbieren konnten, hat man uns die Bude eingerannt." Dabei sei Sparen gerade in diesem Bereich völlig verfehlt: "Wer in einer alternden Gesellschaft nur ein wenig vorausdenkt, merkt, dass wir in die Kinder investieren müssen."

Die Gesetze lassen der Stadt wenig finanziellen Spielraum. Dennoch hat Jugenddezernent Michael Heesch die Familienbildung zu seiner "Pflichtaufgabe" erklärt. Er sieht sich als Vordenker: "Wenn wir diese Aufgabe nicht wahrnehmen, werden uns die Versäumnisse an anderer Stelle einholen." So sei eine Heimunterbringung - oft Folge desolater Familienverhältnisse - nicht nur teuer, sondern immer auch eine menschliche Katastrophe. Heesch plädiert für ein Umdenken: "Diejenigen, die sich für eine Kappung des sozialen Netzes stark machen, sind die Totengräber der Haushaltskonsolidierung."