Grevenbroich: Das Gefühl der Verlorenheit

Grevenbroich: Das Gefühl der Verlorenheit

„Hinter den Schatten“ ist ein subtiles Horror-Buch.

Grevenbroich. Eigentlich wollte Nina nur mit ihrem Freund schwimmen gehen, doch unversehens gerät sie in eine fremde Welt, wo nichts ist wie gewohnt. Menschen verwandeln sich in Monster, Gegenstände werden lebendig und bedrohen sie - und doch hat Nina in dieser Parallelwelt eine Aufgabe zu erfüllen. Mit "Hinter den Schatten" legt Andrea Tillmanns einen subtilen Horror-Roman vor, der ganz ohne Splatter-Effekte auskommt.

Es geht um das Gefühl der Verlorenheit, um Angst in einer völlig fremden Umgebung. Aber das Buch erzählt auch, wie man Verbündete findet und andere aus einer Notlage befreit.

Tatsächlich ließ sich Andrea Tillmanns beim Schreiben von eigenen Erlebnissen inspirieren. Zum Beispiel von Freibadbesuchen im Morgennebel, wenn die Sicht nur wenige Meter weit reicht. Mit ein wenig Phantasie können sich nicht nur Schriftsteller fremde Welten ausmalen. "Ich hatte schon über Jahre mit dem Gedanken gespielt, diese seltsame Stimmung literarisch zu verarbeiten - nur über das ,Wie’ war ich mir lange nicht im Klaren."

Ein reales Vorbild hat auch die Papierfledermaus Fred, die sich in der fremden Welt als Ninas Helfer und Ratgeber bewährt. Ein ganz ähnliches Flattertier entdeckte die Autorin zufällig beim Fotografieren.

Als Motiv hatte sie ein Blumenornament gewählt, das in einen alten Hausgiebel eingemeißelt war. "Ich ahnte, irgendwas stimmt da nicht - ohne freilich genau zu wissen, was es war", erinnert sich die Schriftstellerin und Fotografin. "Erst als ich mir das Foto genau ansah, fiel es mir auf: Hinter der Blume war noch ein zweites Motiv versteckt - eben die Fledermaus."

"Hinter den Schatten" ist Andrea Tillmanns’ zweiter Roman, zuvor veröffentlichte sie bereits zahlreiche Erzählungen und Beiträge zu Anthologien. Eine Lesung in der Stadtbücherei ist geplant, der Termin steht noch nicht fest.

Schon in den vergangenen Jahren hat die Autorin die Bücherei als Plattform für lokale Literatur schätzen gelernt. Damit schließt die Einrichtung eine Lücke im Grevenbroicher Kulturleben, so ihre Einschätzung: "Anders als beispielsweise in Kaarst und Zons scheuen hier viele Veranstalter die Mühe, über einen längeren Zeitraum eine Reihe mit Lesungen zu etablieren. Aber wenn sich mal jemand wirklich dahinter klemmt, klappt das auch in Grevenbroich."

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