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Geteiltes Auto — nicht in Neuss

Geteiltes Auto — nicht in Neuss

Oft überlegt und doch wieder verworfen: Car-Sharing. Aber warum eigentlich? Die Neusser finden die Idee gut.

Neuss. Ein fremdes Auto mit anderen teilen und so Sprit, Versicherung und Instandhaltung sparen, nervige Parkplatzsuche vermeiden — das ist Sinn und Zweck von Car-Sharing. Während der Trend sich in anderen Großstädten bereits durchsetzt, konnte in Neuss noch kein solches Angebot eingerichtet werden.

Es haben aber bereits Gespräche stattgefunden, so Stadtsprecher Sascha Severin. „Ein Unternehmen aus München hat sich kürzlich bei uns vorgestellt.“ Grundsätzlich stehe man der Idee positiv gegenüber. Standorte würden geprüft, über Modelle werde nachgedacht. Das gilt auch für die Stadtwerke, die in anderen Städten Kooperationspartner für die entsprechenden Unternehmen sind. Allerdings habe bisher noch keine Firma angefragt, sagt Stadtwerkesprecher Jürgen Scheer. „Wenn uns ein funktionierendes Geschäftsmodell vorgeschlagen würde, wären wir für Gespräche offen.“

Doch die Unternehmen zögern, nach Neuss zu expandieren. Andreas Allebrod von Drive Car Sharing erklärt, warum: „Es würde wirtschaftlich für uns nur Sinn machen, wenn wir eine Kooperation mit der Stadt eingehen könnten und diese unser Angebot entsprechend vermarktet.“ Bisher habe Neuss das nicht signalisiert.

Etliche Neusser finden die Idee zwar gut. Wenige wären allerdings bereit, das eigene Auto durch ein Car-Sharing-Fahrzeug komplett zu ersetzen. „Im Moment kann ich auf ein eigenes Auto zwar nicht verzichten, weil ich in meinem Beruf als Lehrerin flexibel sein muss. Aber wenn Car-Sharing unkompliziert umsetzbar wäre, würde ich es sicher nutzen“, sagt Petra Schiffler (60). Doch die Weckhovenerin sieht noch ein Problem: „Wir wohnen sehr weit ab vom Schuss. Dann müsste ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erst zu der entsprechenden Station in der Innenstadt fahren, um dann auf Car-Sharing umzusteigen.“

Ehemann Martin Schiffler (45) sieht im geteilten Auto ein ökologisch wertvolles Zukunftsmodell, das in Neuss aber wohl noch etwas Zeit braucht. „Die Fahrgewohnheiten der Menschen werden sich in den nächsten Jahren ändern, auch im Hinblick auf die steigenden Benzinpreise“, sagt Schiffler. „Jetzt ist mir Car-Sharing noch zu unflexibel.“

Für Melanie Bennartz (24) und Freundin Kira Kollmann (23) hingegen wäre ein geteiltes Auto eine echte Alternative. „Wenn ich kein eigenes Auto hätte, würde ich darauf zurückgreifen“, sagt Bennartz. Vor allem in der Innenstadt wäre Car-Sharing praktisch, sagt die Neusserin, die das Modell aus Düsseldorf kennt. Ausprobiert hat sie es aber noch nicht.

Gäbe es ein entsprechendes Angebot in Neuss, würde Roswitha Bielstein (53) sogar ihr geliebtes Fahrrad stehenlassen. „Ich habe kein Auto, mache alles mit dem Rad“, sagt sie. „Aber Car-Sharing finde ich super.“

Ingeborg Arndt, Vorsitzende des BUND, will nicht mehr warten, bis Neuss Car-Sharing-Standort wird. Sie teilt seit Jahren ihr Auto mit den Nachbarn. „Ich habe einen älteren Kleinwagen, den ich nicht oft nutze“, sagt sie. „Damit er nicht ungenutzt rumsteht, kann meine Nachbarin damit fahren.“ Es gehöre Vertrauen dazu und eine gute Versicherung, „aber dann funktioniert es.“