Gänseplage am See Jröne Meerke

Gänseplage am See Jröne Meerke

Der Spielplatz ist wegen Infektionsgefahr durch Gänsekot schon gesperrt.

Neuss. Erster Ferientag, die Sonne scheint, eigentlich ein perfekter Tag, um am Jröne Meerke zu entspannen oder dort mit den Kindern auf den Spielplatz zu gehen. Eigentlich, denn genau dort, zwischen Schaukel, Rutsche und Sandkasten, erleben Eltern und ihre Sprösslinge derzeit ihr „braunes“ Wunder: wegen Verschmutzung gesperrt.

„Das muss man sich mal vorstellen: Die Sommerferien fangen an, und die Stadt muss den Spielplatz sperren, weil die Gänse alles zukoten“, ereifert sich Heinrich Esser. Er ist beinahe täglich am See am Jröne Meerke — zum Angeln. Dass die Gänsepopulation im Naherholungsgebiet im Neusser Norden stetig wächst, sei seit ungefähr drei Jahren zu beobachten.

Mehr als 170 Tiere habe er vor Kurzem gezählt. „Aber es sind bestimmt noch viel mehr“, mutmaßt Klaus Meller, der ebenfalls täglich zum Angeln an das Gewässer kommt. Dass auf den See auch Wasservögel gehören, darüber sind sich die beiden Angler einig. Doch derzeit seien es einfach zu viele.

Allein 200 Blessgänse, die als Wandervögel einen besonderen Schutz genießen, bevölkern das Jröne Meerke, schätzt Umweltdezernent Horst Ferfers. Und sie finden dort die besten Bedingungen vor, denn aus falsch verstandener Tierliebe werden die Wasservögel von Besuchern gefüttert.

„Wir müssen erst einmal Herr dieses Problems werden“, sagt Ferfers. In den nächsten Wochen werde der Ordnungsdienst kontrollieren und Strafzettel schreiben, wenn Personen beim Gänsefüttern erwischt werden. Verbotsschilder wurden am vergangenen Freitag aufgestellt.

Ein erster Schritt, um die Gänsepopulation zu minimieren. Auch, wenn die zur Jagd freigegeben würden, bliebe das Problem mit den unerlaubten Fütterungen, was immer mehr Gänse anlocken würde, so Ferfers.

Und der Spielplatz? „Bis auf weiteres bleibt dieser Bereich gesperrt“, sagt Michael Dörr vom Kreisgesundheitsamt. Die Sperrung schreibe das Gesundheitsdienstgesetz des Landes ebenso vor wie das Infektionsschutzgesetz des Bundes.

Die Gänse scheiden über ihren Kot Salmonellen und koliforme Bakterien aus. Bei direktem oder auch indirektem oralem Kontakt können sich Menschen infizieren. „Da reicht es schon, wenn man mit der Hand über eine der Parkbänke wischt und dann sein Kind anfasst“, erklärt Dörr.

Deshalb rät der Leiter des Kreisgesundheitsamtes allen Besuchern, auf den Verzehr von mitgebrachten Speisen und Getränken am Jröne Meerke zu verzichten und sich nach einem Aufenthalt in dem Naherholungsgebiet die Hände gründlich zu waschen.

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