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Öffentlichkeitsfahndung: Fünf Überfälle in zehn Tagen - Polizei veröffentlicht Phantombild

Öffentlichkeitsfahndung : Fünf Überfälle in zehn Tagen - Polizei veröffentlicht Phantombild

Nach fünf Überfällen innerhalb weniger Tage hat die Polizei im Rhein-Kreis-Neuss eine Ermittlungskommission eingerichtet.

Dormagen. Die Kreispolizeibehörde hat wegen der fünf Raubüberfälle in den vergangenen zehn Tagen am Montag eine Ermittlungskommission (EK) mit dem Namen „Messer“ eingerichtet. Nach dem bis jetzt letzten Überfall der mutmaßlichen Serie am Samstag (15 Uhr) auf das Sonnenstudio ÉTÉSon an der Hamburger Straße hatte dessen Betreiber den wahrscheinlichen Täter nur wenige Meter von seinem Ladenlokal entfernt gesehen, als der ein Messer verstecken wollte. Der Unternehmer war sofort aus seinem Auto gestiegen, um den Mann zur Rede zu stellen, ohne zu diesem Zeitpunkt zu ahnen, dass wahrscheinlich er es war, der gerade ein zweites Mal sein Studio überfallen hatte. Zu dem als auffällig klein und kräftig vom Zeugen beschriebenen jungen Mann gesellte sich ein zweiter, ebenfalls klein, aber eher schmächtig. Beide flohen. Doch der Studio-Betreiber schaffte es, dem kräftigeren Kappe, Jacke und ein T-Shirt zu entreißen.

Diese sichergestellten Beweismittel hat die Polizei nun veröffentlicht und hat um Hinweise zu der schwarzen Baseball-Kappe (Marke H&M, Etikett mit der Aufschrift: one Size), der schwarzen Jacke (Marke Jack&Jones, Größe M) sowie dem zerrissenen grauen T-Shirt (Marke Jack&Jones, Aufschrift Vintage), das er wohl als Halstuch/Maskierung getragen hatte, gebeten.

Am Donnerstagmittag veröffentlichte die Polizei nun auch ein Phantombild eines mutmaßlichen Täters. Es wurde anhand von Zeugenbeschreibungen erstellt.

Nach den Aussagen des Studio-Betreibers können die Ermittler aktuell nicht ausschließen, dass die Überfälle von zwei Männern begangen worden sind. In allen Fällen, so teilte die Behörde mit, habe jeweils ein Täter allein die Geschäfte betreten und unter Vorhalt eines Messers Geld gefordert. Beim Überfall auf die Bäckerei in Rheinfeld habe der Verdächtige zusätzlich mit einer Pistole gedroht. Möglicherweise, so die Polizei, wechseln sich zwei Verdächtige bei der Tatausführung ab. Auffallend sei, dass die Täter in allen Fällen als besonders klein beschrieben werden. Des Weiteren waren sie maskiert (mit Baseballkappe und „Schal“), die Bekleidung sei überwiegend dunkel gewesen. Der Täter hat bisher jeweils geringe Bargeldbeträge mitgenommen. Verletzt wurde niemand.

Die Ermittlungskommission geht im übrigen auch der Frage nach, ob ein versuchter Überfall auf den Imbiss Baan Thai an der Krefelder Straße am Montag vor einer Woche zu der Serie gehört. Hinweise auf den oder die Verdächtigen nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 02131/3000 entgegen. Und der Sonnenstudio-Betreiber hat für Hinweise, die zur Ergreifung der oder des Täters führen, eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt. „Im Moment sind immer zwei Mitarbeiter bis zur Schließung um 21 Uhr in der Filiale“, sagt er.

Die bis jetzt fünf Überfälle auf Sonnenstudio, Spielhalle, Tankstelle und Bäckerei von einem oder abwechselnd zwei jungen und auffällig kleinen jungen Männern rufen bei den Geschäftsleuten in Horrem und Rheinfeld unterschiedliche Reaktionen hervor. Norbert Heinen, Inhaber eines Autohauses und Vorsitzender der Top-West-Werbegemeinschaft, meint, dass Einbrüche für alle Gewerbetreibenden ein Thema seien. „Auch bei uns ist schon mehrmals eingebrochen worden“, sagt er. Mittlerweile behilft er sich mit einem Wachdienst, der regelmäßig Kontrollgänge macht. Noch seien keine Vereinsmitglieder beunruhigt auf ihn zugekommen. „Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen selbstverständlich erhöht, wollen dazu aber keine Details verraten“, sagt Dorothea Schauerte von der Verkaufsleitung der Bäckereikette Kraus. Eine der Mitarbeiterinnen, die am Samstag den Überfall miterleben musste, habe ärztliche Hilfe in Anspruch genommen.

„Ich bin nicht ängstlich“, sagt Doris Reisner, Inhaberin des Geschäfts Art Floristik an der Knechtstedener Straße in Horrem: „Klar ist man vorsichtiger, aber mit der richtigen Körpersprache erreicht man schon viel. Ich sehe sowieso häufig dubiose Leute hier.“ Sie will sich von den Überfällen nicht einschüchtern lassen. Die Angestellten der Horremer Bären-Apotheke geben zu, nach der Überfall-Serie mit einem mulmigem Gefühl zu arbeiten.