„Frimmersdorf“ auf dem Weg zur Reserve

„Frimmersdorf“ auf dem Weg zur Reserve

Im Oktober geht das Kraftwerk in die Sicherheitsbereitschaft, RWE betritt damit Neuland. Die Vorbereitung koordinieren die Technischen Dienste, die unter neuer Leitung stehen — von Ulrich Schulze aus Elsen.

Frimmersdorf. Vom Bürofenster aus hat Ulrich Schulze „Paula“ und „Quelle“ im Blick. Noch steigen Schwaden über den letzten aktiven Kraftwerksblöcken in Frimmersdorf auf. Zum 1. Oktober gehen die Blöcke in die Sicherheitsbereitschaft, werden vor der Stilllegung 2021 für vier Jahre in die bundesweite Kapazitätsreserve überführt. Die Basis dafür bildet das Strommarktgesetz. Die Vorbereitung für die Reserve wird von den Technischen Diensten mit 280 Mitarbeitern geleitet, an deren Spitze jetzt Ulrich Schulze steht. Bis zum Jahreswechsel war der Elsener Leiter der Anlagentechnik des Kraftwerkstandorts Frimmersdorf-Neurath.

Ulrich Schulze, Leiter der Technischen Dienste

Sein neuer Aufgabenbereich geht weit über Grevenbroich hinaus. Die Technischen Dienste sind unter anderem — in Kooperation mit den Standorten — für Instandhaltung, Revision und Marktoptimierung aller RWE-Kraftwerke im Revier und anderer Anlagen zuständig. Bis Jahresende hatte Eberhard Uhlig, Leiter der Sparte Braunkohlekraftwerke, die Aufgabe mit übernommen — auch er ist Grevenbroicher. Eine Aufgabe 2017 liegt direkt vor Schulzes Bürotür. „Mit der Überführung der 300-Megawatt-Blöcke ,Paula’ und ,Quelle’ in die Sicherheitsbereitschaft betreten wir Neuland“, sagt Schulze, der Grevenbroichern als Fluglehrer und früherer Präsident des Aero-Clubs bekannt ist

„Die Herausforderung ist, dass nicht ein einzelner Block, sondern ein gesamtes Kraftwerk betroffen ist“, berichtet der 60-Jährige. Vor rund einem Jahr wurde bei RWE eine Projektgruppe ins Leben gerufen — mit derzeit rund 30 Mitarbeitern. „Das Konzept für die Überführung steht“, sagt Schulze.

Die Anlage muss heruntergefahren werden, „sie muss aber weiterhin verfügbar sein“, betont RWE-Sprecher Guido Steffen. Werden die Blöcke im Notfall angefordert, müssen sie binnen elf Tagen wieder unter Volllast arbeiten können.

Vieles ist etwa bei der Konservierung zu bedenken. „Eine wichtige Aufgabe ist es, die kilometerlangen Rohrleitungen in den Kesseln vor Korrosion zu schützen“, sagt Schulze. Unter anderem soll dafür „Stickstoff in die Rohre geleitet werden, damit innen kein Sauerstoff an die Rohre gelangt“. Die beiden Kohlebunker müssen komplett geleert werden. Einzelne Anlagenteile müssen von Zeit zu Zeit in Betrieb genommen werden, „damit Pumpen funktionstüchtig und Dichtungen dicht bleiben“, sagt Schulze.

Von den in Frimmersdorf gemachten Erfahrungen profitiere RWE bei der Überführung von zwei Blöcken in Niederaußem (2018) und einem in Neurath (2019) in die Sicherheitsbereitschaft.

Verringert wird auch die Frimmersdorfer Kraftwerksmannschaft mit derzeit 156 Mitarbeitern — „auf voraussichtlich rund 40“, sagt Steffen. Die genaue Zahl steht laut Schulze noch nicht fest, „weil wir Erfahrungen sammeln müssen, wie groß der Wartungsaufwand sein wird“. Er betont: „Niemand muss sich um seinen Arbeitsplatz bei RWE Sorgen machen“, die Veränderungen würden sozialverträglich gestaltet.