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Forderung: Stadt soll ihre RWE-Aktien verkaufen

Forderung: Stadt soll ihre RWE-Aktien verkaufen

Grüne befürchten weiteres Absinken des Kurses. Im Besitz der Stadt sind 78 230 Aktien des Energiekonzerns.

Neuss. Den Antrag stellen die Neusser Grünen nicht zum ersten Mal, nun steht er vor dem Hintergrund der Katastrophe in Japan: Die Stadt, so werden die Grünen am Donnerstag im Rat fordern, möge kurz- bis mittelfristig ihre RWE-Aktien verkaufen.

Die Kurse sind bereits deutlich gefallen. Michael Klinkicht, Vorsitzender der Ratsfraktion, drängt aber dennoch auf eine solche Entscheidung. Die Restlaufzeiten deutscher Atomkraftwerke würden aller Voraussicht nach deutlich verkürzt, das werde auch auf die Geschäftspolitik von RWE gravierende Auswirkungen haben.

RWE finanziere zudem Forschung und Ausbau regenerativer Energien derzeit maßgeblich aus den Gewinnen der Atomkraft: „Die Gewinne werden zuückgehen, die Aktien weiter an Wert verlieren. Besser jetzt verkaufen als weiter zu warten.“

In der Eröffnungsbilanz der Stadt von 2007 sind Anzahl und Wert der Aktien nachzulesen. 78 230 Stück sind im Besitz der Stadt, mit einem Wert von 75 Euro pro Stück oder insgesamt 5,1 Millionen Euro. Zwischenzeitlich war der Kurs bis auf 88 Euro gestiegen — auch zu jenem Zeitpunkt hatten die Grünen den Verkauf beantragt.

Nun steht die Aktie bei 45 Euro. Bei einem Verkauf schlagen Gewinne wie Verluste direkt auf das Jahresergebnis durch — in diesem Fall als Verlust durch Entnahme aus der Ausgleichsrücklage. Die Neusser Grünen drängen dennoch auf den Verkauf.

Anders reagierten zumindest vor einer guten Woche die Grünen im Kreis, die auch mehrfach den Verkauf von Aktien aus Kreisbesitz gefordert hatten. In der Haushaltsrede des Fraktionsvorsitzenden Erhard Demmer hieß es aber mit Verweis auf den einstigen Höchststand, ein Verkauf zu halbiertem Kurs sei wirtschaftlich unvernünftig.

Dem Ansinnen der Neusser Grünen wird die CDU im Stadtrat morgen nicht zustimmen. Fraktionsvorsitzender Karl Hein Baum betont, jetzt zu verkaufen sei „völlig falsch. Es geht dabei nicht um ideologische Gründe, sondern um eine rein wirtschaftliche Betrachtung“.