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Flüchtlingsunterkunft des Landes in Neuss voll bis unter das Dach

Malterser seit Jahren für die ZUE Neuss verantwortlich : Die ganze Welt unter einem Dach

Die Zentrale Unterbringung ist voll. Eine Herausforderung für die Organisatoren.

Das Land hat angekündigt, einige Flüchtlingsunterkünfte zu schließen. Für die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) an der Stresemannallee heißt das, dass die Belegung sukzessive erhöht werden muss. Gut 900 Menschen leben derzeit schon dort, 1000 sind das Ziel. Dann wären alle Kapazitäten erschöpft. Für Irena Grgic, die mit ihrem Team im Auftrag der Malteserwerke Köln die Einrichtung leitet, stellt die Entwicklung eine Herausforderung dar, für Ralf Hörsken ist sie auch Anlass zur Sorge. Was beide am meisten fürchten: Langeweile und, so der Sozialdezernent der Stadt, „Frust durch fehlende Perspektiven“.

Die Stadt hat deshalb die Hand in Richtung der Bezirksregierung Düsseldorf, in deren Verantwortung die ZUE betrieben wird, ausgestreckt. Landesunterkunft und städtische Flüchtlingshilfe seien noch „zwei getrennte Welten“, sagt Hörsken. Die müssten enger zusammengebracht werden. Schriftlich hat die Stadt der Bezirksregierung deshalb eine engere Kooperation angeboten.

Mit der Schuldezernentin Christiane Zangs sei er aktuell im Gespräch, nennt Hörsken ein Beispiel, wie den Kindern im eigentlich schulpflichtigen Alter ein schulähnliches Angebot gemacht werden kann. Hintergrund: So lange über den Aufenthaltsstatus nicht entschieden ist, dürfen die Kinder nicht am regulären Schulunterricht teilnehmen.

Seit genau zwei Jahren betreuen die Malteserwerke die Menschen in der ZUE. Wie die Akzente gesetzt werden, kann schon am Stellenkegel abgelesen werden. Nur 30 der gut 100 Angestellten kümmern sich um Verpflegung, Verwaltung, Reinigung oder Hausmeisterdienste, alle anderen sind in der Betreuung eingesetzt. „Rund um die Uhr“, wie Ufuk Maden betont, der stellvertretende Betreuungsleiter.

Die Aufenthaltsdauer
hat sich verlängert

Grgic und Maden kamen vor etwa fünf Jahren an Bord der Malteserwerke. Damals sei es vorrangig um Unterbringung und Versorgung gegangen, sagen sie. Inzwischen ist die Zahl der Menschen, die durch die Einrichtung „geschleust“ werden, deutlich kleiner geworden, dafür hat sich die Aufenthaltsdauer verlängert. Ziel ist, die Menschen bis zu dem Zeitpunkt in solchen Landeseinrichtungen zu belassen, bis über ihren Status entschieden ist. Im positiven Fall verlassen sie die ZUE, um einer Kommune dauerhaft zugewiesen zu werden. Eine Ablehnung dagegen entlastet die ZUE nicht immer schnell. Denn die damit ausgesprochene Abschiebung kann oft nicht zeitnah umgesetzt werden – und die Betroffenen bleiben mitunter noch monatelang.

Vorintegrative Maßnahmen seien es, so Ufuk Maden, mit denen dieser Situation die Spitze genommen werden soll. Sie beziehen sich nicht nur auf die Menschen, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ein Aufenthaltsrecht bekommen, sondern auch auf jene, bei denen das eher unwahrscheinlich ist.

Sie alle würden nicht mehr mit leeren Händen nach Hause geschickt, erklärt Maden mit Blick auf Projekte wie „Rückkehr in Würde“. Obwohl die Teilnahme an Sprachkursen, die in fünf Modulen angeboten werden, oder den mit Partnern außerhalb der Einrichtung organisierten beruflichen Orientierungskursen freiwillig ist, seien diese immer ausgebucht. Viele Flüchtlinge würden eben die Chance dieser Angebote erkennen und wahrnehmen, betont Grgic. „Es gibt sogar Flüchtlinge, die besuchen Vorkurse der Universität Bochum“, sagt sie.

Das Kursangebot gibt deshalb den zeitlichen Takt in der ZUE vor. Die Zeitfenster für die drei Mahlzeiten sind zwar fix, denn sonst ließe sich der Betrieb in einem so großen Betrieb gar nicht steuern. Alle anderen Dinge werden aber mit Blick auf die zeitlichen Vorgaben des Kursangebotes organisiert.

„Gemeinschaftsunterkünfte sorgen für Stress“, sagt Klaus Walraf vom Generalsekretariat der Malteser. Dass alle geflohen sind, sei nicht Verbindung genug. So müssen die Malteser, die landesweit acht Einrichtungen betreuen, über die Schaffung einer Tagesstruktur und die Eröffnung von Perspektiven hinaus für Frieden in den Einrichtungen sorgen. Die ganze Welt sei aktuell dort vertreten, sagt Maden, der Einzelpersonen genauso gerecht werden muss wie den Wünschen von Großfamilien. Dass das Verhältnis der Neusser zur ZUE spannungsfrei ist, zeigt auch die Hilfe, die die Einrichtung noch immer aus der Bevölkerung bekommt. Spenden werden immer noch gebraucht, und kommen fast automatisch, wie Maden berichtet. Und bei der Betreuung unterstützen viele Einrichtungen die ZUE – bis hin zum Landestheater.