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Eventmanagerin aus dem Hause der Familie Langen

Eventmanagerin aus dem Hause der Familie Langen

Karla Zerressen ist Gala-Expertin auf der Raketenstation.

Neuss. Mit einem entwaffnenden Lächeln empfing Karla Zerressen am Dienstag die ersten Galeristen auf der Raketenstation. Die 38-jährige Enkeltochter der Museumsgründer Viktor und Marianne Langen ist die Eventmanagerin der Langen Foundation. Sie versucht, durch das Vermieten der Museumsräume, durch kommerzielle und kulturelle Programme zur Finanzierung der Kunststiftung beizutragen. Denn weder Land noch Stadt unterstützen das private Institut in der Nachbarschaft der Insel Hombroich.

Klara Zerressen ist ein Profi, sie hat an der Londoner European School of Economics Betriebswirtschaft studiert und Berufserfahrung bei Eventagenturen in England und Deutschland gesammelt. Am 12. September 2004, punktgenau zur Einweihung der Ausstellungshallen, organisierte sie die ersten Veranstaltungen. Kurz zuvor hatte sie noch erreicht, dass der berühmte japanische Architekt Tadao Ando einen Aufzug und eine Küche einbaut.

Ob die Modegala der Familie Eickhoff oder der Vodafone-Innovationspreis mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Karla Zerressen hat die Veranstaltungen organisiert. Das wird auch an diesem Samstag so sein, wenn die Shuttlebusse aus Köln und Düsseldorf vorfahren, um 70 Galeristen, 350 Sammler und knapp 300 VIPs abzuladen. Dann steigt ein „Collector’s Dinner“. Im November wird es noch spannender, dann wird auf Einladung von Henkel-Vorstand Kasper Rorsted Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet.

Die Enkelin aus dem Hause Langen ordert die Caterer, „alles nur Leute, die Respekt vor der Kunst haben“, und schult das Personal. An diesem Samstag müsse sie nichts befürchten, denn in den Ausstellungsräumen stehen Vitrinen und es läuft ein Video, „ein perfektes Milieu für eine Großparty“.

Im Gegensatz zu den Museen, die ihre Feste nur in den Foyers abhalten, finden auf der Raketenstation die Essen, Konzerte und Lesungen mitten unter Bildern statt. Das sei empfehlenswert, denn so würden auch Leute ohne Kunsterfahrung Zeit zum „Bildergucken“ haben. Denn eines hat die Langen-Familie immer im Sinn: „Wir wollen nicht Kasse machen, sondern Menschen für die Kultur gewinnen.“

Die Sache mit der Kasse sei sowieso ein Problem: „Ich weiß nicht, ob meine Großmutter wahrgenommen hat, was sie da angestoßen hat. Die Langen Foundation ist eine Nummer größer geraten als ursprünglich geplant. Aber es war der Wunsch der Oma, Wechselausstellungen durchzuführen. Die Großeltern haben immer vorausschauend die zeitgenössische Kunst gekauft. Auch wir wollen Werke der Gegenwart zeigen.“ Das alles kostet Geld, und dafür kommt die Familie auf. Die Enkelin sagt: „Es ist purer Idealismus.“

Karla Zerressen sammelt nicht, oder noch nicht: „Ich investiere nicht in Kunst, sondern in meine beiden Kinder.“