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Erst kämpfen, dann lieben und jetzt glauben im RLT

Erst kämpfen, dann lieben und jetzt glauben im RLT

Intendantin Bettina Jahnke präsentiert unter dem Leitgedanken „glauben“ Werke von Hiob bis Amadeus.

Neuss. Unter das programmatische Motto „kämpfen!“ stellte Bettina Jahnke ihre erste Spielzeit als Intendantin des Rheinischen Landestheaters, es folgte der (nicht immer) romantische Leitgedanke „lieben“. Jetzt präsentiert die temperamentvolle Theaterfrau die Spielzeit 2012/13 unter dem Thema „glauben“.

Die Intendantin beginnt mit einer eigenen Inszenierung von Joseph Roths monumentaler Tragödie Hiob. So exemplarisch und zeitgemäß sei dieses Werk, betont Jahnke, dass es beinahe zwingend den Auftakt der Spielzeit bilde. „Alles zu verlieren, um alles zu gewinnen“, sagt sie zum Stoff über den von Gott schwer geprüften Mann, der an seinem Glauben zweifelt.

Es folgt das Kontrastprogramm für die Kleinen: Warum es heute so viele Hasen gibt und wie das mit der Arche Noah zusammenhängt, lernen Kinder ab vier Jahren in „Noah und der große Regen“.

Als große Produktion angelegt und angekündigt als „musikalischer Seelenritt“, ist „Auszeit“ eine Uraufführung um das Thema Pilgern. Kai Wolters und Walter Kiesbauer als Autorenteam nutzen mehr oder weniger bekanntes Liedgut von Soul bis zur Oper, von Nancy Sinatras „These Boots are made für Walking“ bis zum Pilgerchor aus Wagners Tannhäuser. Acht Schauspieler und fünf Musiker werden diesen Liederabend gestalten.

Lügen haben lange Nasen: Das ist eine Erkenntnis aus „Pinocchio“. Für Kinder ab sechs Jahren bringt Joerg Biterich diesen Klassiker als Familienstück auf die Bühne.

Einen selten gespielten klassischen Stoff hat Bettina Jahnke ebenfalls zum Thema „glauben“ für die Spielzeit gewählt: „West-östlicher Diwan“ von Johann Wolfgang Goethe dient der Dramaturgin Barbara Noth und der in Teheran geborenen Regisseurin Saher Amini als Vorlage für einen lyrischen Reigen mit drei Schauspielern.

Das Aufeinandertreffen von Orient und Okzident sei ein „großartiges, aktuelles Paradigma“ sagt Barbara Noth, die die vorbehaltlose Auseinandersetzung des Dichters mit dem Thema hervorhebt.

„Pflicht“ ist für Bettina Jahnke die Inszenierung von „Don Camillo und Peppone“ in einer „glauben“-Spielzeit. Für sie geht es bei dem erbitterten Glaubenskampf des bauernschlauen Priesters mit dem kommunistischen Bürgermeister um einen Humor, der nicht ausstirbt.

Den Lessing-Stoff um die Ringparabel bringt Michael Lippold mit dem Stück „Nathans Kinder“ von Ulrich Hub für junge Theatergänger ab zehn Jahren auf die Bühne. Im Mittelpunkt steht dabei die Liebesgeschichte von Recha und dem Tempelherrn.

Den Mann ihrer Träume findet „Das Käthchen von Heilbronn“. Um den hartnäckigen Glauben an diese Liebe geht es in Heinrich von Kleists Klassiker, den Catharina Fillers inszeniert. „Amadeus“ heißt das Werk von Peter Shaffer, doch dreht es sich meist um Salieri: Wen lieben die Götter mehr? Das Stück, von Milos Forman 1984 verfilmt, bringt Antje Thomas, die gerade die Iphigenie inszeniert hat, auf die Bühne.

Zu den meist gespielten zeitgenössischen Theaterautoren zählt Simon Stephen. Bettina Jahnke inszeniert in der zweiten Spielzeithälfte sein „Harper Regan“ über eine Frau Anfang 40, am Scheideweg ihres Lebens. Hotelschlüssel, Ehering und Wiskyglas zieren das Plakat; „und damit ist schon vieles gesagt“, so Jahnke.

Konflikt um Moral und Verantwortung und die große Frage „Woran sollen wir noch glauben“ sind Thema von „Peggy Pickit und das Gesicht Gottes“ von Roland Schimmelpfennig.

Zum Abschluss der Spielzeit kommt Shakespeare auf die Bühne: Der Kaufmann von Venedig, inszeniert von Catja Baumann. „Ein dicker Brocken“, sagt Bettina Jahnke. „Die Frage ist doch: Wer ist heute der Jude, wer ist Shylock?“