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Elfen und Zwerge schunkeln im Takt

Elfen und Zwerge schunkeln im Takt

Der 83. Nüsser Ovend in der Stadthalle stand unter dem Motto „Nüsser em Märchenwald“.

Neuss. Knusper, knusper, knäuschen. . . Ganz betulich sitzt der Märchenonkel in seinem Ohrensessel und nimmt die Gäste in eine geheimnisvolle und wunderbare Welt mit: in die Tiefen des Stadtwaldes und nach Grefrath, dort wo Frau Holle eine Dependance betreibt. „Was dann geschah, seht Ihr jetzt“, flüstert der Erzähler und gibt den Startschuss für die 83. Auflage des Nüsser Ovends.

Die Bühne ist mit Rapunzel im Turm, Hexenhaus und königlicher Kutsche liebevoll hergerichtet, im mystisch anmutenden Märchenwald thront der Elferrat: „Nüsser em Märchenwald“ lautet das Thema. Die traditionelle Veranstaltung der Brauchtums- und Karnevalsgruppe (BKG) der Heimatfreunde hat es diesmal jedoch schwer:

Mit dem Stiftungsfest der Bürgergesellschaft und der Geburtstagsfeier von Hermann Gröhe konkurrieren gleich drei Veranstaltungen. So voll wie in den Vorjahren ist es daher nicht. Die Stimmung in der Stadthalle ist dennoch bestens. Elfen, Hexen und auffallend viele Zwerge schwofen und schunkeln feuchtfröhlich im Takt.

Literat Markus von Werden tut gut daran, das Programm zu straffen, einige Schwächen offenbart es dennoch. Der Abend beginnt vielversprechend, mit kreativer Bühne, tollen Kostümen und witzigen Künstlern. Spektakuläres fehlt jedoch. Alles ganz nett, am Ende muss man sich vielleicht aber doch eingestehen, dass die Sitzung mit den großen Karnevalsbühnen in Düsseldorf und Köln nicht mithalten kann.

Zeremonienmeister „Froschkönig“ Andreas Struppe führt zwar souverän durch den Abend, doch den ein oder anderen bissigen Kommentar hätte man sich vom Sitzungspräsidenten gewünscht. Gut los geht’s mit dem Auftritt von Achnes Kasulke.

Nachdem die „letzte deutschsprachige Putzfrau vor der Autobahn“ im vergangenen Jahr kurzfristig absagen musste, begeistert sie nun mit treffsicheren Gags und wunderbar losem Mundwerk. „Mein Wischzertifikat habe ich nicht abgeschrieben“, feixt die Kaldenkirchenerin, die bei so vielen Schlaglöchern auf den Straßen nur noch mit Sport-BH fährt.

Prologius Christoph Kleinau nimmt bei seinem sechsten Auftritt bei den lokalen Themen kein Blatt vor den Mund und zieht etwa den Altpapier-Streit zwischen Stadt und Kreis genüsslich durch den Kakao. Selbstverteidigungsminister Herr von und zu Googleberg könne nicht zur Gröhe-Feier kommen, „er zieht sich mit Oberst Klein Kundus-Videos rein“, kalauert Kleinau.

Hoppeditz Jürgen Schmitz kann mit seiner „alt-römisch-dekadenten“ Rede in der Bütt nicht punkten. Häme ist nicht sein Ding: Die Pointen sind harmlos, die Themen mit Köhler, Carl Gustav und Mövenpick-Steuer nicht sonderlich aktuell.

Unbekümmert geht Sabine Leuker als „Babsi aus dem Sonnenstudio“ ans Werk und gewährt wieder unterhaltsame Einblicke in ihren Alltag um Traumprinz Massimo vom Pizza-Schlösschen. Herrlich frech hadert sie mit den „Neusser Horrordays on Ice“ und der Stadttochter AWL, deren Name Programm sei („Alles wird liegengelassen“).

Trotz kleinerer Mikrofon-Probleme überzeugen die klassischen Bands wie De Fetzer, De Räuber oder Alt Schuss. Ein unterhaltsamer Auftritt ist dem Schützenkönigspaar Werner und Carmen Kuhnert in witzigen Matronen-Kostümen gelungen. Gute Laune zu verbreiten, ist ein Knochenjob.