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EHEC — Ein Keim, viele Sorgen

EHEC — Ein Keim, viele Sorgen

Gemüse aus dem Rheinland soll unbelastet sein. Viele Verbraucher meiden Salat, Tomaten und Gurken trotzdem.

Rhein-Kreis Neuss. Die Anzahl der EHEC-Infektionen im Rhein-Kreis Neuss hat sich auf sechs erhöht. Vier Männer und zwei Frauen sind betroffen. Vier sollen sich in Norddeutschland angesteckt haben.

Die Auswirkungen sind auch auf dem Neusser Markt zu spüren. „Ich verkaufe seit einigen Tagen fast 90 Prozent weniger Salat, Gurken und Tomaten“, sagt Vehbi Büyükbayrak, der täglich an seinem Stand Obst und Gemüse anbietet. „Meine Ware kommt aus Deutschland und Holland, der Radicchio aus Italien. Ich esse weiterhin alles davon. Ich spüle es gründlich ab und gebe etwas Essig und Salz dazu. Diese Panikmache ist Quatsch — und schlimm für die Bauern, die viel Gemüse wegwerfen müssen.“

Hiltrud Weiers, Betreiberin des Biomarkts Kreutzerhof in Meerbusch: „Unsere Kunden kaufen deutlich weniger Gemüse. Tomaten, Gurken und Salat werden kaum noch gekauft — wir bestellen schon keine mehr nach. Die Verunsicherung der Menschen ist einfach zu groß. Ich selbst habe keine Scheu vor dem Gemüse.“

Die gleiche Erfahrung hat Özcan Yalcin, Geschäftsführer von Yalcin Feinkost in Neuss, gemacht: „Unser Umsatz ist um 20 Prozent gesunken, seit man vom EHEC-Keim gehört hat. Dabei haben wir unsere Produkte testen lassen.“ Daniela Pilcic kauft regelmäßig bei Yalcin ein. Sie hat keine Angst vor einer Infektion. „Ich esse weiter mein Gemüse“, sagt sie. „Ich glaube, dass da ein viel zu großes Problem draus gemacht wird.“

Auch Yasmina Allouche findet „diese ganze Panikmache übertrieben“. Sie isst Gemüse, kocht es jedoch vorhr. „Ich will auf nichts verzichten. Ich vertraue diesem Laden.“

Vito Maldera vom Restaurant Mauerwerk in Neuss merkt noch keine Probleme durch den EHEC-Keim: „Wir haben ein Zertifikat von unserem Hersteller bekommen, das wir jeder Speisekarte beigelegt haben. Die Leute bestellen nach wie vor alles von der Speisekarte.“

Lara Ceka vom Café Extrablatt erlebt das anders. „EHEC hat Einfluss auf unseren Betrieb. Wir verkaufen zur Zeit wenig Salate — dabei essen die Kunden trotzdem weiterhin unsere Burger, auf denen auch Salat und Tomaten liegen. Gurken haben wir ganz gestrichen. Das sonstige Gemüse waschen wir besonders gründlich und lagern es separat.“

Michael Dörr, Leiter des Kreisgesundheitsamts: „Das Risiko einer EHEC-Infektion lässt sich vor allem durch Hygiene deutlich einschränken.“ Das Fachgebiet von Tobias Heintges, Chefarzt der medizinischen Klinik 2 am Lukaskrankenhaus, sind Magen-Darm Erkrankungen. Er rät aus Vorsicht von rohem Gemüse ab. „Als Privatperson glaube ich, dass es eine Sache des Ermessens ist. Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken ist sehr gering“, sagt er.

„Die Panik vor dem Keim führt dazu, dass wir hier mehr Patienten mit Durchfallerkrankungen haben, die getestet werden sollen. Bisher hat sich der Keim nur bei einem Patienten bestätigt: ein junger Mann ohne Vorerkrankungen.“ Sein Tipp: „Wenn man rohes Gemüse wäscht, verringert man die Anzahl der Bakterien, ein Restrisiko bleibt bestehen. Kocht man Gemüse, wird der Keim abgetötet. Aufmerksam sollte man bei blutigem Durchfall werden.“