Dormagener bejubeln Aufstieg

Handball-Drittligist feiert durch einen 32:24-Erfolg beim ATSV Habenhausen die Rückkehr in die Zweite Liga. Trainer Kriebel weint kurz.

Dormagen. Um Punkt 18 Uhr war die Rückkehr des TSV Bayer Dormagen in die Zweite Handball-Bundesliga nach zweijähriger Abwesenheit perfekt. Sieben Minuten später schleppten Kapitän Alexander Kübler und der eigens für das Aufstiegsfinale beim ATSV Habenhausen aus seinem Studienort Reutlingen angereiste Sebastian Linnemannstöns den ersten Kasten Kölsch in Richtung ihrer Teamkollegen. Es sollte nicht der letzte bleiben an diesem Abend, auch wenn die ganz große Aufstiegssause erst beim letzten Heimspiel am Samstag steigen soll. „Wir sind alle glücklich, aber auch alle platt — die Saison war sehr, sehr anstrengend“, sagte Ulli Kriebel nach dem 32:24 (15:14)- Sieg über den bereits als Absteiger feststehenden Bremer Vorortklub.

Der Trainer selbst hatte „fünf Minuten vor dem Abpfiff ein bisschen geweint“, wie er im Nachhinein eingestand. Kein Wunder, schließlich hat der 40-Jährige gleich seine erste Spielzeit im Seniorenbereich mit einem Aufstieg gekrönt. „Ein Jahr früher als geplant“, sagte Handball-Geschäftsführer Björn Barthel, bevor er in der ersten von mehreren Bierduschen ertrank.

Die 110 Zuschauer — davon etwa zwei Drittel Gästefans — sahen eher müden Sommerhandball als einen begeisternden Aufstiegskrimi. Und zur Halbzeitpause, in die die Gäste einen bescheidenen Ein-Tore-Vorsprung mitnahmen, hatte mancher die mehr als vierstündige Anreise über die staugeplagte A 1 schon bereut: „Ich glaube, die schaffen das nicht“, war mehr als einmal auf der nur zwei Sitzreihen umfassenden Tribüne zu hören.

Später war davon keine Rede mehr. Zur Qualität eines echten Fans gehört eben auch das schnelle Vergessen-Können. Und spätestens, als achteinhalb Minuten vor dem Schlusspfiff beim Stand von 29:21 Barthel den Karton mit den Aufstiegs-T-Shirts in Richtung Spielerbank schleppte, war jedem klar, dass es eine beschwingte Rückfahrt würde.

Im Sitzen verfolgte keiner mehr die Schlussphase, auch nicht auf der Bank, wo Kriebel seine Spieler schon Minuten vor dem Abpfiff herzte und drückte. Am Ende durfte dann auch Nuno Carvalhais, der den TSV nach nur einer Saison ebenso verlässt wie Alexander Kübler und Jan Hüfken, einen Treffer per Gegenstoß beisteuern. 32:24 hieß es nach dem Schlusspfiff. „Das war nicht so deutlich, aber darüber spricht in einer Woche keiner mehr“, brachte Lukas Stutzke die vorherrschende Gemütslage auf den Punkt.

Dass es nicht richtig spannend wurde, war vornehmlich einem Trio zu verdanken: Janis Boieck mit einem Dutzend Paraden und der Flügelzange Tim Wieling (11/2 Tore) und Linnemannstöns (5/2), die zusammen die Hälfte der Gästetreffer erzielten. Das reichte, um zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte in die Zweite Liga aufzusteigen.

„Jetzt geht die Arbeit erst richtig los“, stellte Tobias Plaz nüchtern fest. Er gehört dem Kompetenzteam an, das Barthel ehrenamtlich unterstützt. Der sieht die Hausaufgaben in einer Hinsicht schon auf guten Weg gebracht: „Wirtschaftlich stehen wir besser da als vor vier Jahren.“

Jetzt wird aber erst einmal gefeiert. Zum letzten Saisonspiel erwartet der Dormagen am kommenden Samstag, 5. Mai, um 19 Uhr den VfL Gummersbach II im Bayer-Sportcenter. Zur Aufstiegsfeier spendiert TSV-Partner Sünner Kölsch zusammen mit den Handballern 100 Liter Freibier. DJ ANo sorgt für die Party-Musik.

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