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Dormagen vergibt erste Aufstiegs-Chance

Dormagen vergibt erste Aufstiegs-Chance

Der Handball-Drittligist unterlag beim Longericher SC mit 27:28. Der TSV fand kein Mittel gegen die Taktik der Gastgeber. Vor allem in Halbzeit eins enttäuschte Bayer.

Dormagen/Korschenbroich. Es sollte eine lange Feier-Nacht werden, doch die von Marketingleiterin Jil Falkenstein eilends bedruckten Aufstiegs-T-Shirts blieben im Koffer. Mit der 27:28 (10:15)-Niederlage beim Lokalrivalen Longericher SC hat der TSV Bayer Dormagen die erste von drei Chancen zur Rückkehr in die Zweite Handball-Bundesliga verspielt. Unnötigerweise, auch wenn es am verdienten Sieg der leidenschaftlich kämpfenden Kölner letztlich nichts zu deuteln gab.

Für die Dormagener fing es schon damit schlecht an, dass der für Handballer bei der Ausübung ihres Berufes eigentlich unverzichtbare Topf mit dem Harz am heimischen Höhenberg vergessen worden war. Ob der Mangel an nötiger Klebekraft eine Erklärung für die haarsträubenden technischen Fehler und Ballverluste der ersten dreißig Minuten ist, sei dahingestellt.

Als viel entscheidender erwies sich, dass die Dormagener auf einen durchaus erwartbaren taktischen Schachzug der Hausherren offenbar in keiner Weise vorbereitet waren: SCL-Trainer Chris Stark ließ Lukas Stutzke von der ersten bis zur letzten Spielsekunde in Manndeckung nehmen, zunächst durch den Demnächst-Dormagener Benjamin Richter, später durch den aus Dormagen stammenden Matthias Peters.

Longerich beraubte so die Gäste ihrer in dieser Saison durchschlagskräftigsten Waffe: 153 Tore hatte der Junioren-Nationalspieler in den voraufgegangenen 27 Partien erzielt, was einem Schnitt von knapp sechs Treffern pro Spiel entspricht. Am Freitagabend gelangen ihm drei.

Eine kluge Taktik, doch normalerweise eine mit hohem Risiko behaftete. Denn eine Manndeckung gegen einen Spieler schafft immer Freiräume für die anderen — wenn denn jemand da ist, der sie zu nutzen versteht. Bei Dormagen gab es am Freitagabend keinen. Der, der es am ehesten gekonnt hätte, Eloy Morante Maldonado, saß mit Muskelriss im Oberschenkel auf der Bank.

Den anderen versagten Kopf, Nerven, Hände und Füße den Dienst, sie liefen oftmals hilf- und planlos durch die überhitzte Halle und gestatteten den Hausherren so einen zwischenzeitlichen Sieben-Tore-Vorsprung (19:12, 35.). Insgesamt unternahmen die Dormagener zu wenig, um Stutzke ins Spiel einzubeziehen — taktische Mittel dazu gibt es genug. Als das einfachste (Sperre/Absetzen) nach der Pause kurzzeitig funktionierte, kamen die Gäste gegen konditionell abbauende Longericher von 15:21 (40.) auf 21:21 (48.) heran. Doch statt selbst vor 500 Zuschauern in Führung zu gehen, verfielen sie in alte Verhaltensmuster und ließen zu viele Tormöglichkeiten ungenutzt. Mit 15 gehaltenen Bällen machten sie den Ex-Neusser Nils Thorben Schmidt zu einem Matchwinner — und sich selbst mit fünf verworfenen Siebenmetern zum Deppen. „Alles Kopfsache“, erklärte Ian Hüter hinterher. Und Trainer Ulli Kriebel meinte: „Wir sind von den Ereignissen überrollt worden. Als ich am Mittag die Nachricht bekam, dass wir am Abend aufsteigen können, musste ich das erst einmal sacken lassen.“ Mag sein. Doch der Auftritt war kein einmaliger Ausrutscher, sondern erinnerte an die vorhergegangenen Spitzenspiele gegen Ferndorf, Leichlingen und Krefeld, die der TSV auch nicht (alle) hätte verlieren müssen. „Im direkten Vergleich der fünf Top-Teams sind wir mit am schlechtesten“, sagt Handball-Geschäftsführer Björn Barthel.

Doch er sagt auch: „Wir dürfen uns den Aufstieg jetzt nicht mehr nehmen lassen.“ Die nächste Chance gibt es am Samstag (16.30 Uhr) in Bremen. Gastgeber ATSV Habenhausen ist zwar Tabellenvorletzter, bereitete dem TSV aber schon im Hinspiel (35:31) enorme Schwierigkeiten.

Dem TV Korschenbroich gelang es derweil, Deutschlands besten Handball-Drittligisten wenigstens 40 Minuten lang zu ärgern. Denn bis zum Zwischenstand von 17:19 hielt der Tabellenletzte beim schon längst als Meister feststehenden TuS Ferndorf mit. Am Ende setzte sich der Spitzenreiter vor 757 Zuschauern aber doch noch standesgemäß mit 33:21 (16:12) durch.

„Wir haben heute wieder eine richtig gute Leistung geboten“, sagte TVK-Trainer Ronny Rogawska: „Wir haben lange Zeit die Dinge umsetzen können, die wir uns vorgenommen haben. Sowohl mit der Angriffs- als auch mit der Abwehrleistung war ich sehr zufrieden.“