Dormagen: Blickfang oder notwendiges Übel

Dormagen: Blickfang oder notwendiges Übel

Krawatten vom Entwurf bis zum Unikat: Das Museum in Zons widmet dem „Kulturstrick“ bis zum 5. Juli eine Ausstellung.

Dormagen. Eine Krawatte kann so vieles sein: Ausdruck der Lebenseinstellung, Blickfang, Notgeschenk, Statussymbol, Accessoires oder Quälerei. Das Kreismuseum in Zons widmet sich in seiner diesjährigen Sommerausstellung dem "Kulturstrick".

Egal, ob man die Krawatte nun als spießig, notwendiges Übel oder Stilmittel des persönlichen Ausdruckes empfindet: Die Ausstellung, die bis 5. Juli zu sehen ist, deckt alle diese Ansprüche ab. Sie besteht aus vier Elementen.

Vom Entwurf über den Zuschnitt bis hin zur fertigen Krawatte kann die technische Entstehung verfolgt werden. Möglich wird die Darstellung unter anderem durch Leihgaben aus dem Haus für Seidenkultur in Krefeld.

Im zweiten Teil der Ausstellung wird die Geschichte der Krawatte vom gewickelten Tuch mit Spitze nach Art von Mozart, Goethe und Napoleon bis hin zur Fliege, die zum Zylinder getragen wurde, gezeigt. Die moderne Geschichte der Krawatte wurde Mitte des letzten Jahrhunderts bunt: schmale Lederexemplare, die so genannten Slim Jims der 50er Jahre, bunt gemusterte Stoffe der DDR, die überbreiten Modelle der 70er Jahre, auch in Strick und Wolle.

Auf unzähligen Fotos und Bildern ist die Krawatte zu sehen, aber nur selten als Hauptdarsteller. In der Ausstellung ist das anders. Etwa auf den Zeichnungen des Graphikers Stefan Mittag. Er widmete sich im Stil der großen Zeichner von Uli Stein bis Loriot dem Schlips.

Die Ergebnisse hat er Ende der 80er Jahre in einem Buch veröffentlicht. Eine Premiere ist dagegen die Sammlung "Die Krawatte in der Photographie" des Kölner Kunstsammlers und Buchautoren Stefan Thull. Ausschnitte seiner weltweit einzigartigen Sammlung werden zum ersten Mal öffentlich gezeigt.

Höhepunkt der Ausstellung ist der Internationale Wettbewerb der Museen der Stadt Deggendorf von 2008. 164 Teilnehmer aus 16 Nationen schufen dafür 174 Krawattenunikate und 151 Krawattennadeln. Meist sehr futuristische oder karikierende Werke, aber zum Teil auch tragbare und wegweisende Trends sind unter den Exponaten zu bestaunen.

Begleitet wird die Ausstellung "Der Kulturstrick" von Führungen, einem Detektivstück für Grundschüler, Vorträgen und der Möglichkeit, seinen "Schatz" zugunsten einer Krawattensammlung im Krefelder Haus der Seidenkultur abzugeben.

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