1. NRW
  2. Rhein-Kreis Neuss
  3. Neuss

Die Polizei im Rhein-Kreis Neuss nutzt einen 3D-Laserscanner zur Unfallaufnahme

Polizei im Rhein-Kreis Neuss : Lasertechnik erleichert Arbeit

Ein 80.000 Euro teurer 3D-Scanner unterstützt das Team der Zentralen Verkehrsaufnahme im Rhein-Kreis bei ihrer Arbeit. Mit neuster Technik kann der Unfallort dokumentiert und digitalisiert werden – und das relativ schnell.

Bei schweren Unfällen im Rhein-Kreis Neuss rückt das Team der Zentralen Verkehrsunfallaufnahme (ZVU) aus. Die Spezialisten übernehmen vor Ort die Spurensicherung. Ihre Aufgabe ist ein essentieller Bestandteil des Verfahrens, das in aller Regel nach einem Verkehrsunfall eingeleitet wird. Die erhobenen Daten dienen der Beweisführung. Zu dem umfassenden Equipment für die Unfallaufnahme gesellt sich jetzt ein neues Gerät, das die Arbeit der Beamten erleichtert und dabei effizient genaue Daten liefert: ein
3D-Laserscanner.

Punktwolke, Stativ und
moderne Software

Der kastenförmige Apparat der Firma Favo steht auf einem Stativ, in knapp zwei Meter Höhe und erstellt eine Punktwolke und zusätzlich Fotoaufnahmen des Unfallorts, die über eine Software zusammengesetzt werden. In Betrieb dreht sich das Gerät samt rotierendem Spiegel in der Mitte um die eigene Achse. „Wenn das Gerät läuft, braucht es drei bis zehn Minuten – je nachdem, wie hochauflösend die Aufnahmen sein sollen“, erklärt Udo Strerath von der ZVU. Mindestens an vier Positionen mit Abstand von 20 Metern wird der 3D-Laserscanner am Unfallort aufgestellt – manchmal öfter. „Und dennoch ist es schneller als das Monobildverfahren, da wir nicht darauf warten müssen, bis die Unfallstelle geräumt ist“, sagt Strerath.

ZVU-Mitarbeiter Stefan Twelker von der Zentralen Verkehrsunfall-Aufnahme präsentiert die Technik. Foto: Carsten Pfarr

Bisher nutzen die Unfallexperten die Technik noch parallel zum Monobildverfahren. In zwei Monaten soll der Scanner als primäres Werkzeug zur Unfallaufnahme im Rhein-Kreis eingesetzt werden. Noch stehen aber Schulungen des Herstellers an, die die tiefgreifende Nutzung der mitgelieferten Software vermitteln. Denn ebenda – also am Computer – geschieht die Auswertung der dokumentierten Daten: Die Punktwolken – das sind viele eingescannte Punkte in einem Raum, mit denen ein präzises Bild des Unfallorts darstellt werden kann – der verschiedenen Messpunkte werden übereinandergelegt.

Der Laserscanner ergänzt das Equipment zur Unfallaufnahme. Foto: Carsten Pfarr

Das geschieht automatisch, da der Scanner ein GPS-Modul besitzt. In der so erzeugten 3D-Aufzeichnung des Unfallortes (samt Vogelperspektive) kann der Software-Anwender sich frei bewegen, verschiedene Blickwinkel einnehmen, Distanzen messen und an Beweisstellen heranzoomen. Somit können auch im Nachhinein noch Messdaten erhoben werden, die bei der Unfallaufnahme selbst nicht direkt gemessen wurden, aber bei der Aufklärung zum Unfallhergang nützlich sind.

Neueste Technik kostet
rund 80 000 Euro

Der 3D-Laserscanner wurde von der Polizei NRW für rund 80 000 Euro (inklusive Schulung und Wartung) angeschafft und dem ZUV-Team im Rhein-Kreis zur Verfügung gestellt. Damit ist die Behörde eine von insgesamt elf im Land, die ein solches Gerät nutzen. Zwar sei jeder Unfall anders und bedürfe somit unterschiedlicher Technik, erklärt Strerath, aber: „Der 3D-Scanner ist vielseitig“ und könne somit andere Methoden, wie Drohnenflüge, ablösen.

Und da die Unfallaufnahme mit dem Scanner in der Regel früher beginnen kann und schneller abgewickelt ist, wird die Dauer von Straßensperrungen verringert.

Der Landrat und Leiter der Kreispolizei, Hans-Jürgen Petrauschke, sagt: „Ich bin froh, dass wir dieses Gerät für die Zentrale Verkehrsaufnahme haben.“

Auch vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Verkehrsunfälle zwar tendenziell rückläufig sei, aber die Zahl aktuell höher ist als im Vorjahr, erklärt Petrauschke. Unfälle verhindert die neue Technik nicht, aber sie erleichtert die Aufklärung des Unfallhergangs.