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Die Neusser Tafel wird auch 25 Jahre ihrer Gründung noch gebraucht

Gründungstag 26. Februar 1996 : Tafel rechnet mit mehr Bedürftigen

Einrichtung richtet sich im Jubiläumsjahr darauf ein, wegen der Folgen der Corona-Pandemie künftig noch mehr Menschen versorgen zu müssen.

„Ich würde gerne irgendwas machen, das Bedürftigen wirklich hilft.“ Aus diesem Gedanken von Rebecca Schuh ist 25 Jahre später eine Einrichtung mit 35 ehrenamtlichen Mitarbeitern geworden, die jeden Monat 100 Tonnen Lebensmittel an etwa 800 Menschen ausgibt und zudem rund 1300 Kinder und Jugendliche regelmäßig mit Essen versorgen: die Neusser Tafel, die am Freitag Geburstag hat.

„Wir gehörten zu einer der ersten Tafeln in Deutschland“, erzählt Schuh, die bis heute Vorsitzende ist. Um Lebensmittelspenden zu bekommen, musste sie damals eifrig Klinken putzen und sich manch „blöden“ Kommentar anhören. Es gab aber auch den anderen Fall: „Bei der Bäckerei Uhlenbrock haben sie mir gleich gesagt, ich bräuchte nicht mehr zu erklären, sie würden mitmachen.“ Auch andere waren von dem Projekt überzeugt und spendeten. Lebensmittel, Geld und sogar einen VW Polo. „Damit haben wir dann das Essen eingesammelt und es aus dem Auto heraus an Nichtsesshafte verteilt“, erzählt Schuh.

Viel hat sich seit dem verändert. Die Tafeln sind bundesweit bekannt und viele Hersteller oder Supermärkte sind froh, überschüssige oder aussortierte Ware spenden zu können. Neben Lebensmitteln gehören mittlerweile auch Kleidung, Hygieneartikel und andere Produkte zum Angebot der Tafel. Aktuell besonders gefragt sind Masken. Entsprechend dankbar ist Schuh, dass gerade 1000 Stück vom Autohaus Bas gespendet wurden.

Die Tafel hat ihre Hauptstelle an der Düsseldorfer Straße im Barbaraviertel und Außenstellen in Kaarst, Kleinenbroich und Norf. „Unsere Hauptklientel waren bis zum Lockdown Kinder und Jugendliche“ sagt Schuh. Denn die Tafel beliefert jede Woche mehrere Kinder- und Jugendeinrichtungen, die die Tafel auf Kinder aufmerksam gemacht hatte, die morgens ohne Essen aus dem Haus gehen. Dass all diese Einrichtungen aktuell geschlossen sind, bereitet ihr große Sorge. Immerhin sei das Büro von Streetlife geöffnet, so dass zumindest die Straßenkinder versorgt werden
können.

In den kommenden Monaten wird die Neusser Tafel durch die Pandemie wohl für noch mehr Menschen eine wichtige Anlaufstelle werden, vermutet Schuh. Sie ist außerdem überzeugt, dass sich die Tafel immer mehr zu einer Begegnungsstätte entwickelt. „Schon jetzt kommen viele deutlich vor unseren Öffnungszeiten“, erzählt sie.