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Die längste Buslinie der Stadt

Die längste Buslinie der Stadt

Carsten Goeres legt mit der 841 insgesamt 22,6 Kilometer zurück.

Neuss. Wenn Carsten Goeres am Steuer eines 18 Meter langen Linienbusses sitzt und die Fahrweise der anderen Verkehrsteilnehmer beurteilt, dann klingt das so: „Mein Gott, Junge. Fahr doch — du hast Vorfahrt“, „Das ist kein Fahrradweg, Kindchen“ und „Alles gut, ich fahre keinen Panzer“ sind Sätze, die ihm leise herausrutschen. Oder, als eine Fahrerin im PS-starken SUV dem 45-Jährigen beim Abbiegen die Vorfahrt überlässt, sagt er zu sich: „Jetzt hast du Angst bekommen, weil mein Auto noch größer ist.“

Seit sechs Jahren fährt Goeres für die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Neuss Bus. Von den elf Linien im Stadtgebiet ist die Linie 841 die längste. 22,6 Kilometer legt der 45-Jährige von der Haltestelle „Düsseldorf-Handweiser“ in Heerdt bis zur Endstation „Seniorenzentrum“ in Rosellerheide zurück. Als er an einem Vormittag kurz vor dem Ziel ist, muss er das Tempo drosseln, denn seine Busspur kann er nicht alleine nutzen: Ein Senior ist auf seinem Elektroscooter auf der Straße vor ihm unterwegs. Doch trotz der „Blockade“ liegt Carsten Goeres gut in der Zeit, die im Fahrplan angegebenen 64 Minuten hält er fast ein: „Wenn Volldampf auf den Straßen mit viel Verkehr ist, lasse ich mich auch nicht stressen. Das bringt nichts, die Zeit holt man nicht ein. Wichtiger ist, dass die Fährgäste heil an ihrem Ziel ankommen.“

Viele Passagiere kennt der Neusser inzwischen vom regelmäßigen Sehen. Man grüßt sich, die älteren wollen sich manchmal unterhalten, doch das ist verboten, weil sich der Fahrer auf den Straßenverkehr konzentrieren muss. „Wir wissen, welche Verantwortung wir tragen. Deshalb muss man dann Fingerspitzengefühl haben“, sagt Carsten Goeres.

Bei aller Freundlichkeit vieler Fahrgäste kann er aber auch oft nur mit dem Kopf schütteln. „Ich kann mein Ticket nicht aus der Tasche kramen“, sagt zum Beispiel eine Dame. Sie deutet an, dass sie ihre Katze in einer Box mitschleppt und geht am Busfahrer wie selbstverständlich vorbei. Als der 45-Jährige nur müde lächelt, bleibt sie doch stehen und zeigt ihr gültiges Ticket. „Schüler gehen auch gerne faul vorbei. Andererseits halten manche Leute ihr Ticket schon hoch, wenn ich um die Kurve komme.“ Bei der Linie 841 liegen mit dem Hauptbahnhof, dem Bahnhof Norf und dem S-Bahnhof Allerheiligen drei Bahnhöfe an der Strecke. Es geht über Landstraßen und durch Tempo-30-Zonen, in denen rücksichtslose Autofahrer dem Bus nicht selten nur wenig Platz lassen. „Es gibt schönere Linien“, sagt der 45-Jährige, „aber du fährst das, was auf deinem Dienstplan steht“. Als Frühaufsteher übernimmt er gerne die erste Schicht. Dann ist Carsten Goeres teilweise schon um kurz nach 4 Uhr auf der Straße.

Zur Stoßzeit zwischen 6.15 und 8.30 Uhr, wenn viele Kinder auf dem Weg zur Schule sind, sei schon mal „Ramba Zamba“, doch Probleme mit seinen Fahrgästen hatte der 45-Jährige noch nie: „Am Wochenende und zum Schützenfest werden ein paar immer etwas stärker, wenn sie ein Bier zu viel getrunken haben. Aber richtigen Ärger gab es noch nicht.“