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Die Kunst des eleganten Springens

Die Kunst des eleganten Springens

Höher, weiter, schöner. Parkour sorgt auch bei Neussern für einen Adrenalinkick.

Neuss. Spektakuläre Sprünge von Hausdach zu Hausdach, ein Rückwärtssalto von Bänken oder Autos — das kennen die meisten Menschen aus Action-Filmen. Der Bond-Film Casino Royale inspirierte auch Dominik Martin und Martin Berdel. Die Neusser betreiben die neue Trendsportart Parkour seit anderthalb Jahren. „Es geht darum, Strecken effizient und elegant auf kürzestem Weg zurückzulegen“, erklärt Martin.

Im Sommer suchen sich die beiden mit Freunden Orte, an denen es viele Hindernisse gibt, um darüber zu springen und Neues auszuprobieren. „Man muss Mauern, Bänke oder Treppen nutzen. Angefangen haben wir auf einem Spielplatz, dann haben wir am Hauptbahnhof trainiert. Das Springen gibt einen richtigen Adrenalinkick“, sagt Berdel. In die Sprünge bauen die Sportler auch viel Akrobatik ein.

Erste Anleitungen haben die Freunde durch Internetvideos bekommen. Schrauben, Salti und das Springen sehen einfach aus, doch um das Verletzungsrisiko niedrig zu halten, müssen die Sportler regelmäßig trainieren. „Bevor ich einen Sprung auf Beton mache, muss ich ihn perfekt beherrschen“, erklärt Berdel. In der Halle können sie sich auf weichem Untergrund an schwierige Sprünge herantasten. „Wenn man Respekt vor dem Boden hat, dann ist der Sport nicht gefährlicher als Turnen“, sagt Berdel.

Passieren kann allerdings immer etwas, das weiß auch der 22-jährige Martin. Bei einem Aufwärmsprung auf den Rand eines Sandkastens ist er ausgerutscht und hat sich am Steißbein verletzt. „Das spüre ich nach sechs Monaten immer noch. Ich hatte die Wirkungen des nassen Sandes unterschätzt“, sagt er.

Er trainiert im Neusser Nachtsport Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. „Im Moment kennen Parkour noch die wenigsten, aber die Gemeinschaft wird immer größer“, erklärt Martin.

Um den Sport auszuüben, brauchen Interessierte nur gute Ausdauer, Geduld und eine gesunde Selbsteinschätzung. In der Halle schaffen es die beiden, aus dem Stand drei Meter weit zu springen. „Man muss sich kleinere Ziele setzen und langsam seine Sprungkraft verbessern. Wer schon ein Rad schlagen kann, hat die besten Voraussetzungen“, erklärt Martin. Eine Altersbegrenzung gibt es für den Trendsport nicht. „Wir haben mal mit einem Profi in Köln trainiert, da waren Fünfjährige dabei, die das richtig gut konnten“, so Berdel.