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„Der Willi“ und seine letzte Kirmes

„Der Willi“ und seine letzte Kirmes

Willi Schlabbers ist seit 1980 der Kirmesbeauftragte im Rathaus. Im Herbst geht er in den Ruhestand.

Neuss. Wer mit ihm über den Markt geht, muss mit immer neuen Unterbrechungen rechnen. Willi, wie geht’s? Alles klar mit der Kirmes? Oder: Wie lange hast Du noch? Ja, alles klar mit der Kirmes. 269 Geschäfte sind fest gebucht, genau zwei freie Plätze gibt es noch.

Und: Lange hat „der Willi“ nicht mehr. Ende Oktober ist im Rathaus Schluss für Willi Schlabbers. Der Herr der Kirmes, der Mann aus dem Ordnungsamt, der seit 31 Jahren nicht nur für die große Kirmes zum Neusser Bürger-Schützenfest, sondern auch für die 19 anderen im Stadtgebiet verantwortlich ist, geht in Rente.

Daran denkt er in diesen Tagen wohl eher selten. Denn auch die 31. Kirmes lässt sich allein mit Routine nicht bewältigen. Vieles ist allerdings ähnlich wie 1980, als er mal eben rüberkommen sollte zu einem Amtsleiter und kurz darauf die Kirmesverantwortung übernommen hatte.

Schon damals drängten sich die Schausteller um einen Platz auf dem Kirmesgelände oder der Hammer Landstraße, die auch vor 31 Jahren zur Rollmopsallee wurde. Schon damals bestand die Kunst darin, den Besuchern die richtige Mischung zu präsentieren: Bekanntes und Bewährtes, Attraktionen, Spektakuläres und Angebote für die Familien. Eine Riesenschaukel war im ersten Schlabbers-Jahr der Renner, 40 Meter hoch.

Auch jetzt ist Willi Schlabbers wieder sicher: Es wird eine schöne Kirmes. Das Riesenrad mit dem Schriftzug „Neusser Bürger Schützenfest“ wird am bekannten Platz stehen, als Attraktion kommt diesmal von der Düsseldorfer Kirmes der Kettenflieger herüber: ein Kettenkarussell in 55 Metern Höhe. Eine neue wilde Maus („mit drehbaren Gondeln, wunderschön!“) ist dabei, die Geisterbahn, die vielen Buden, Imbisse, Schießbuden, immer wieder Fahrgeschäfte . . . Alles ist durchgeplant.

Soeben ist eine neue Wasserleitung auf dem Kirmesplatz verlegt, und wieder wird der Donnerstag vor Kirmeseröffnung der Härtetag sein. Die letzten Schausteller reisen an, alle müssen aufbauen, die großen Wagen stauen sich an der Langemarck- und der Hammer Landstraße, und dann müssen die Wohnwagen auf ihre Plätze — 250 wahrscheinlich.

800 Bewerbungen gab es diesem Jahr, früher waren es mehr, die Schausteller müssen genau kalkulieren. Wie immer: Reichlich Anfragen von Imbissen und Getränkeständen, und um die spektakulären Fahrgeschäfte muss Schlabbers werben. Eigentlich, verrät er, sind ihm allerdings „die Kleinen“ besonders lieb.

Viele Schaustellerfamilien kennt und schätzt er seit langem, einige schon in der zweiten Generation. Schliebs, Muckenhaupt, Cronenberg, Bruch: Schaustellergeschichte. Nicht immer ging bei der Platzvergabe alles problemlos ab. Ja, bekennt Schlabbers, gar nicht selten habe es Bestechungsversuche gegeben, „mit allem, was man sich so denken kann.“ Da wird er dann doch mal ein bisschen stolz. „Sattelfest muss man sein, und das war ich auch.“

Und jetzt? Der Schütze aus Holzbüttgen, der einmal als Gastmarschierer bei den Fetzigen Nüssern auf dem Markt dabei war, überlegt, in den neuen Grenadierzug Cura Novaesio aus dem Ordnungsamt einzusteigen. Er freut sich auf Reisen mit seiner Frau, und bekennt: „Ja, Wehmut kommt jetzt auch auf.“ Und dann kommt Hubertuskönig Friedhelm Corsten vorbei, und er sagt: „Ohne den Willi läuft nix auf der Kirmes“. Was Schlabbers sofort bestreitet. Für die Nachfolge ist gesorgt.

Die Kirmes beginnt wie immer am Freitag vor dem Schützenfest, das heißt in diesem Jahr am 26. August.