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Der Kampf der Friedhofsgärtner

Der Kampf der Friedhofsgärtner

Auf dem Neusser Hauptfriedhof wuchert das Unkraut. Die Gärtner sprechen von Verwilderung.

Neuss. Mindestens zwei Mal im Monat ist die Eifelerin auf dem Neusser Hauptfriedhof unterwegs. Dort besucht sie Gräber, geht aber auch gerne in der Anlage spazieren. „Der Baumbestand hier ist wirklich toll“, sagt sie. Aber was ihr gar nicht gefällt, sind die vielen Ecken voller Unkraut, die überall auf dem Gelände auftauchen. „Das kenne ich von Friedhöfen in anderen Städten nicht so“, fügt sie hinzu. Wuchernde Brennnesseln und Disteln, nicht beschnittene Sträucher, gemähtes Gras, das liegen bleibt und auf die Gräber weht, dort auf den Steinen klebt — das ärgert auch die Friedhofsgärtner.

Peter Fischer, Stadtpressesprecher

„Der Friedhof verwildert immer mehr“, sagt einer von ihnen, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dabei sei ein Friedhof doch auch eine Parkanlage, ein Ort der Stille, an dem man nicht nur seine Angehörigen besucht, sondern auch einmal innehält. Auch viele der Wege seien ungepflegt, bemoost. Wenn es regnet, bestünde erhöhte Rutschgefahr. Seine Meinung: „Die Stadt setzt dort einfach zu wenig Personal ein.“ Nicht selten kämen er und seine Kollegen mit ihren Fahrzeugen kaum noch zu den Gräbern durch, die sie im Kundenauftrag pflegen. Auch die Rasenflächen, die dort immer mehr entstehen, nachdem viele Sträucher entfernt wurden, würden viel zu selten gemäht.

„Damit es ordentlich aussieht, müsste das in den Sommermonaten alle zwei Wochen getan werden“, sagt der Fachmann, der sich auch darüber ärgert, dass viele „seiner“ Gräber teilweise überwuchert werden von dem „öffentlichen“ Unkraut, das hinter den Grabstätten wuchert und die peu à peu überdeckt. „Eigentlich ist es nicht unsere Aufgabe, das weg zu machen, denn den Abfall müssen wir dann entsorgen. Das dürfen wir aber als Unternehmer nicht in den dafür vorgesehenen Behältern auf dem Friedhof, weil die nur von Privatpersonen genutzt werden dürfen. Und die kleine Deponie, die es auf dem Friedhof für uns gab, ist mittlerweile weg.“ Die Gärtner müssen nach ihren Arbeiten den Abfall verladen und zur Deponie nach Kapellen bringen. Und das kostet, denn dort werden Unkraut & Co. gewogen.

Auf Nachfrage sagt Stadtpressesprecher Peter Fischer, dass es zurzeit wegen der warmen Witterung und des Regens verstärkt zu Unkrautwuchs komme. „Überall schießt das Unkraut in den Himmel und es ist leider nicht möglich, alle Stellen gleichzeitig zu bearbeiten“, fährt er fort und fügt hinzu, dass alle Stellen gleich behandelt würden, unabhängig von ihrer Lage. 35 Friedhofsmitarbeiter kümmerten sich insgesamt um 87 Hektar Fläche, 47 Hektar davon hat allein der Hauptfriedhof.

Neben ungepflegten öffentlichen Flächen sind es aber auch Gräber, die vor sich hin verwildern und keinen schönen Anblick bieten. Da allerdings kann die Stadt nur insofern eingreifen, als dass sie die Mieter anschreibt und auf den Zustand aufmerksam macht. Dann muss innerhalb von vier Wochen das Grab wieder hergerichtet werden. Geschieht das nicht, flattert ein zweites Schreiben des Friedhofamtes ins Haus. Danach werden kleine Schilder mit dem Hinweis zur Grabpflege gestellt. Bis die Verwaltung schließlich ein Grab, um das sich keiner kümmert und bei dem keiner auf die Schreiben reagiert, einebnen kann, vergehen Monate, in denen das Unkraut kräftig sprießt.