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Der Fachmann in Neuss für Westernstiefel in Übergrößen schließt

Fachmann für Übergrößen in Neuss : Übergrößen-Händler gibt sein Geschäft auf

Nino Adams führte mehr als 20 Jahre lang das „Jeans, Shoes & Leather“ an der Erftstraße.

Es mag in Neuss eine gewisse Nachfrage für Jeanshosen mit einer Bundweite von 60 Inch (152 Zentimetern), Lederjacken in Konfektionsgröße 80 oder Westernstiefel in Größe 50 geben – aber es gibt bald kein Angebot mehr dafür. Nino Adams, seit mehr als 20 Jahren mit seinem Laden „Jeans, Shoes & Leather“ an der Erftstraße ansässig, schließt nämlich. Die Konkurrenz des Internet hat ihn zwar mürbe gemacht, vor allem aber sein Vermieter den Mietvertrag nicht noch einmal verlängert.

Seitdem habe der 72-Jährige beim Gedanken an die Geschäftsaufgabe Herzrasen und keine ruhige Nacht mehr. „Ich brauche den Kontakt zum Kunden und berate gerne“, sagt er. Eigentlich habe er weiterarbeiten wollen, so lange es geht. Aber für Umzug und Neuanfang „fehlt mir die Kondition“.

Als der damals knapp 18-Jährige am 18. Dezember 1966 um exakt 11.10 Uhr in Tempelhof aus dem Flugzeug stieg, das ihn aus seiner Heimatstadt Teheran nach Berlin (West) gebracht hatte, verfolgte der Junge aus gutem Haus noch ganz andere Pläne. Seiner ersten großen Liebe war er nachgereist – mit ein paar Brocken Englisch und einigen Deutsch-Lektionen, die er noch im Goethe-Institut gepaukt hatte.

Doch als er seinen Schwarm Monate später mehr durch einen Zufall in Hildesheim endlich wiederfand, hatte „Sie“ sich schon anders gebunden. Zurück nach Persien glaubte er nicht mehr zu können – und blieb. Das Abitur, das er in Teheran geschmissen hatte, konnte er zwar nicht nachmachen, doch sein Vater – ein Stahlhändler aus Teheran, der sein Unternehmen Jahre später an das Regime der Ajatollahs verlor –, konnte ihn als Kontaktmann brauchen. So kam der junge Perser, der aus seiner Zeit „daheim“ noch seine erste Schallplatte – eine Einspielung mit Arthur Rubinstein von Beethovens fünftem Klavierkonzert – hütet, Anfang der 1970er schließlich nach Düsseldorf. Er änderte seinen für europäische Ohren fremd klingenden Namen und seine Staatsbürgerschaft.

Das Geschäft begann
er mit Berufskleidungen

Jahre im Außendienst in unterschiedlichen Branchen folgten. Jahre, in denen er gutes Geld verdient habe. Vor 31 Jahren aber wurde Adam in Kaarst sesshaft. Er eröffnete in Neuss ein Geschäft, in dessen Sortiment er rasch Arbeitsbekleidung aufnahm, vor allem für die medizinischen Berufe. „Seit der Eröffnung habe ich versucht, mich von den uniformierten Angeboten abzuheben“, sagt Adam stolz, der seinen Laden auch nie wie ein Selbstbedienungskaufhaus führen wollte. Seine Spezialität wurden schnell die Übergrößen. So bekam man bei ihm Damenoberbekleidung in den Konfektionsgrößen 34 bis 65, Herrengarderobe in den Größen 44 bis 75, Business-Schuhe bis Größe 53 und Gürtel mit 1,80 Metern Länge. All das hatte er auf Lager. Jetzt aber ist Ausverkauf.