Delrath: Ein Dorf wehrt sich

Delrath: Ein Dorf wehrt sich

Bürgerinitiative will Gewerbegebiet Am Kohnacker verhindern.

Dormagen. "Wir Delrather sind nicht verwöhnt, aber auch ein minderwertiger Erholungswert ist uns lieber als gar keiner", sagt Andrea Johann. Eine Schilderung, die sarkastisch klingt, sich aber mit Fakten belegen lässt. Denn auf der Sonnenseite leben die 3000 Bewohner des Örtchens nicht. Zum Industriegebiet im Osten und der Bahnlinie im Westen sollen sich demnächst zwei weitere Belastungen gesellen: Im Norden der Anschluss an die demnächst sechsspurige Autobahn, und im Süden - so sieht es die Stadtplanung bisher vor - das 35 Hektar große Gewerbegebiet "Am Kohnacker".

Eine Handvoll Delrather macht jetzt gegen diese "dauerhafte Minderung der Lebensqualität" mobil und hat sich in der Bürgerinitiative "Lebenswertes Delrath" organisiert. An deren Spitze kämpfen Andrea Johann und Peter Jacobs um die grüne Lunge des Dorfes. Bis auf 200 Meter soll das neue Gewerbegebiet "Am Kohnacker" an die Wohnbebauung heranreichen. Stadtrat und Regionalrat haben ihre Zustimmung zur Einleitung der notwendigen Änderung des Regionalplanes bereits gegeben. "Damit wird uns die letzte Freifläche genommen", sagt Andrea Johann. Seit gut einer Woche und noch bis Juni liegen die Pläne bei der Bezirksregierung Düsseldorf und im Kreishaus in Grevenbroich aus, damit die Bürger sich informieren und ihre Bedenken geltend machen können. Und genau hier sieht Andrea Johann die Chance, das Vorhaben noch aufzuhalten. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern formuliert sie aktuell die Argumente, die gegen das Gewerbegebiet in Delrath sprechen. Zum einen vermisst die Bürgerinitiative ein tragfähiges Konzept für die Ableitung des Verkehrs. "Gen Süden kann zwar der Kohnacker in Richtung L380 befahren werden, aber dann wird sicher die Kreuzung auf dem Weg zum Autobahnzubringer ein Flaschenhals werden", meint Johann. Größer jedoch ist die Befürchtung, dass die Brummis, die Richtung Holland wollen, sich über die Sonnenstraße nach Delrath hinein schlängeln werden, um auf die B9 zu gelangen.

Die im Planungsausschuss vorgestellten Verkehrskonzepte konnten Peter Jacobs nicht überzeugen: "Eine Brücke über die Autobahn ist nicht bezahlbar und wegen dort verlaufender Hochspannungsleitungen auch nicht machbar. Und eine Ableitung des Verkehrs über den Johann-Blank-Weg, an dem der Sportplatz liegt, wäre verheerend und für Kinder, die zur Sportanlage wollen, viel zu gefährlich."

Jacobs, selbst Stadtplaner im Ruhestand, hofft auf das Landschaftsgesetz des Landes NRW. Darin ist unter § 2 Absatz 13 festgeschrieben, dass "vor allem im siedlungsnahen Bereich ausreichende Flächen für die Erholung bereitzustellen sind". Ein Gespräch mit Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann habe, so Andrea Johann, bestätigt, dass die Stadt an dem Gewerbegebiet festhalten will. Deshalb will die Bürgerinitiative nun ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen und damit erreichen, dass die Planungen noch einmal überdacht werden. "Dafür brauchen wir 3000 Unterschriften", erklärt die 51-Jährige. Sie ist überzeugt, dass es gelingt, diese zu sammeln, und setzt auf Unterstützung durch die Nievenheimer, denn, so prophezeit Johann, "auch Nievenheim wird massive Belastungen durch den Verkehr spüren, wenn das Gewerbegebiet wirklich kommt".

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